Waldbrände in Nordmazedonien

BFV Liezen

Die steirische Feuerwehr hilft vor Ort

ABI Ing. Thomas Fessl hat sich am 11. August zum bereits zweiten Mal in Richtung Nordmazedonien auf den Weg gemacht. An dem Einsatz sind insgesamt 4 Mitglieder des BFV Liezen beteiligt. Thomas Fessl als "Teamleader Steiermark". Und während er wieder gegen die Flammen kämpft, hat er uns das Tagebuch seines ersten Einsatzes da gelassen...

Mi, 04.08.: Nach den ersten Vorbereitungsarbeiten in Lebring fuhr ich als Vorauskommando um Mitternacht ab. Wir durchquerten SLO, HR, SRB, und kamen am Morgen als erste Österreicher in Nordmazedonien an. Dort erwartete uns Chaos und eine sehr unübersichtliche Lage. Wir fuhren durch ein ca. 30km langes Tal, welches komplett verraucht war und die Flammen links und rechts von der Straße loderten. Es erfolgten eine Besichtigung des Platzes für unsere BoO (Base of Operations) und erste Besprechungen mit den zuständigen Behörden. Es gab dort weder einen Stab, noch jemanden, der eine Übersicht über die Lage hat, ja nicht einmal Kartenmaterial.

Fr, 06.08.: Die ersten beiden Züge trafen nach fast 24h Fahrt gegen 08:00 im Einsatzraum ein. Es war eigentlich eine Ruhephase geplant, allerdings wurden wir unmittelbar nach einem kurzen Kaffee zu einem Notfall gerufen. Die Flammen drohten auf ein Dorf überzugreifen und wir rückten einsatzmäßig aus. Dort angekommen sahen wir pure Panik bei der Bevölkerung, sie wollten bereits das Dorf evakuieren. Die Menschen dort bekämpfen das Feuer mit allem was sie haben, von der Schaufel bis zum nassen Ast. Schläuche oder ähnliches kennen sie nicht, es gibt auch so gut wie keine Feuerwehr dort.

Trotz extrem schlechten Wegen, die steil übersät mit Schlaglöchern sind, konnten wir unsere Einheiten auf einem Hügel zwischen dem Flammenmeer und dem Dorf in Stellung bringen. Den ganzen Tag wurde hier das Feuer bekämpft und die Stellung gehalten. Am Nachmittag drehte dann der Wind und hier hatte ich das erste Mal richtig Angst. Innerhalb von ein paar Minuten brannte der komplette Hang mit Flammenhöhen bis zu 40m über den Wipfeln ab. Unsere Einheiten mussten den Rückzug antreten. Durch vorher gesetzte Maßnahmen, wie Gegenfeuer konnte das Dorf aber gehalten werden.

Die Dankbarkeit der Menschen dort war unglaublich. Wir wurden den ganzen Tag mit Essen und Getränken versorgt. Egal wo im Land, bis hin zur Hauptstadt Skopje, kamen Mensch auf uns zu und bedankten sich, dass wir da sind. 

Nebenbei erkundeten wir verschiedenste Schadenslagen auf teils nicht zu befahrendem Gelände. Gemeinsam mit dem slowenischen Team wurden wir mit einem Teil des Zuges eingeschlossen und hielten dann eine Verteidigungsline entlang einer Straße, bis wir wieder durchfahren konnten.

Am nächsten Tag galt es, ein anderes Dorf mittel Schneise und Riegelstellung zu sichern. Dieses Dorf wird aktuell immer noch geschützt und es ist ein sehr harter Kampf.

Eine Randnotiz:

Bei der Ablöse am Flughafen Skopje, öffnete ein Kamerad unerlaubterweise eine Absperrung, um nicht hin und her laufen zu müssen. Dabei fielen Absperrhalterungen um. Auf jedem normalen Flughafen hätte man hier massive Probleme mit der Polizei bekommen. Nachdem ich mich anschließend bei den Polizisten entschuldigt hatte, bekam ich ein Lächeln und die Aussage: „No Problem, you can do what you want, because YOU are our heros“ - und das 200km weg vom Krisengebiet.

11.08.: Heute Abend geht es für mich zurück nach Nordmazedonien und trotz aller Anstrengung und Schlafmangel freue ich mich, wieder dort zu sein und den Menschen zu helfen.

Unser Team hat dort übermenschliches geleistet und das spiegelt sich in der Dankbarkeit in den Gesichtern der Bevölkerung wieder. Dafür machen wir das.