"Stopp Corona"-App

Was sie kann & wofür sie kritisiert wird

Das Rote Kreuz hat eine App entwickelt, die dabei helfen soll den neuartigen Virus COVID-19 einzudämmen. Seit ca. zwei Wochen gibt es dafür die "Stopp Corona"-App. Sie soll als digitales Kontakttagebuch dabei helfen, die Infektionskette so schnell wie möglich zu unterbrechen. Aber was heißt das genau?

Digitaler Handshake

Mithilfe der App kann mittels eines "digitalen Handshakes" festgehalten werden, wer mit wem in Kontakt war. Dafür müssen allerdings beide Personen die App heruntergeladen haben. Der "Handshake" kann entweder manuell vorgenommen werden oder seit kurzem auch automatisch - wenn du das in den App einstellungen auswählst. Dann wird jede Begegnung, die länger als 15 Minuten dauert automatisch als digitaler Handshake verzeichnet. Damit soll die Infektionskette nachvollziehbar gemacht werden.

Warnung bei Infektion

Sobald sich jemand nachweislich mit dem Virus infiziert hat oder im Verdacht steht sich infiziert zu haben, kann er das in der App melden. Danach werden alle Kontakte der letzten zwei Tage (54 Stunden) anonym benachrichtigt, dass sie mit einer infizierten Person Kontakt hatten. Sie werden über die App aufgefordert sich für zwei Wochen in Heimisolation zu begeben.

Symptome erkennen & richtig reagieren

Außerdem werden durch die App Symptome bei Menschen abgefragt, die Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Wer verdächtige Symptome zeigt, bekommt die Aufforderung sich telefonisch beim Hausarzt, beim Gesundheitstelefon 1450 oder - bei medizinischen Notfällen - beim Notruf zu melden. Auch einen Verdacht auf die Krankheit, kann man bereits über die App an seine anonymisierten Kontakte melden.

Wir haben mit der Co-Founderin der Procedere Data GmbH und Rechtsanwältin  im Bereich Datenschutz und Öffentliches Wirtschaftsrecht Dr. Gerit Katrin Jantschgi über die App gesprochen. Die zertifizierte Datenschutzbeauftragte erklärt die rechtlichen Aspekte der App genauer.




Die Kritik

Seit Veröffentlichung der App gibt es auch heftige Kritik dagegen. Zum einen ist Kritik laut geworden, dass die App nichts bringt, wenn sie nur von wenigen Personen genutzt oder auch falsch benutzt wird. Denn für die Meldung der Infektion ist immer noch der Patient selbst zuständig. 

Zum anderen ist die App im Hinblick auf den Datenschutz vielen ein Dorn im Auge. Deshalb ist App des Österreichischen Roten Kreuzes jetzt von Rechtsexperten der Unternehmen epicenter.works, NOYB – European Center for Digital Rights und SBA Research genauer untersucht worden.


Das Ergebnis ist erfreulich. Im Hinblick auf die Datensicherheit und den Datenschutz entspricht die App allen gesetzlichen Vorschriften. Kritische Sicherheitslücken konnten nicht gefunden werden, allerdings kommen von den Datenschutzexperten durchaus Verbesserungsvorschläge. Insgesamt sind 25 Verbessungsvorschläge in einem ausführlichen Bericht veröffentlicht worden. 


DIE 3 WICHTIGSTEN VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE

1. Datenspeicherung: Derzeit werden viele Daten auf einem zentralen Server gespeichert. Experten fordert hier die Nutzung von einer Handy-zu-Handy-Datenübertragung ohne Zwischenspeicherung.

2. Statistikfunktion: Mittels einer Statistikfunktion wurde das Rote Kreuz stets über den Kontaktaustausch und die Infektionsmeldungen über die App. informiert. Diese Funktion ist mittlerweile bereits deaktiviert worden.

3. Offline Tracking: Das bisherige System ermöglicht es Hackern, Smartphones über einen längeren Zeitraum zu orten und sogar Bewegungsprofile zu erstellen. Das Problem soll laut dem Roten Kreuz Anfang Mai behoben sein.


Die grundsätzlichen Befürchtungen, dass die App Bewegungsprofile einzelner Personen anfertigt, die auch über den Nutzen der App hinaus verwendet werden könnten, waren der Grund für die Überprüfungen. Wie auch Rechtsanwältin Gerit Katrin Jantschgi erklärt.

Ein großer Kritikpunkt ist auch die mögliche verpflichtende Nutzung der App. Immer mehr Politiker sind für die Nutzung der App. Erst vor kurzem hat sich Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) dafür ausgesprochen, die App verpflichtend zu machen, wenn sie bei der Eindämmung des Virus helfen könne. Laut Jantschgi wäre eine verpflichtende Nutzung zwar möglich, aber nicht völlig unbedenklich.

Die verpflichtende Nutzung könnte laut Verfassungsrechtlern aber durchaus Grundrechte berühren - darunter das Grundrecht auf Datenschutz und auf Privatleben - sofern die verpflichtende Nutzung auch damit einhergeht, dass Personen die sich dagegen weigern in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, wäre das ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit.

Auch das Rote Kreuz ist sich der Kritik bewusst und gibt dazu folgendes Statement:

"Zum Schutz der User wurde die App so gestaltet, dass sie so wenig Daten wie möglich verarbeitet. Die Stopp Corona-App erstellt weder Bewegungsprofile, noch werden GPS-Daten erfasst. Die Speicherung von Kontakten erfolgt über eine automatisch generierte Nutzerkennung, einer generischen mehrstelligen Zahl als Pseudonym. Lediglich im Krankheitsfall oder wenn der Verdacht einer Erkrankung besteht, werden User aufgefordert, ihre Telefonnummer bekannt zu geben. Bekannte Datenschützer haben die Stopp Corona-App positiv bewertet."

Die App kann hier für Android und iOs heruntergeladen werden.

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