Steirer läuft fast 5.000 km

Dafür hat er 51 Tage gebraucht

Der 48-jährige Österreicher Smarana Puntigam, der in Feldbach geboren wurde und seit 1992 in Wien lebt, bewältigte am Dienstagnachmittag in New York den längsten zertifizierten Rundenlauf der Welt, das Sri Chinmoy Self-Transcendence 3100 Mile Race, in 51 Tagen 3 Stunden 58 Minuten und 59 Sekunden. Dieses Jahr wagten sich 7 Ultraläufer und eine Ultraläuferin an den Start des Mount Everest des Laufens. Der Vergleich wird dem härtesten Straßenrennen der Welt nicht wirklich gerecht, denn 4000 Menschen erklommen in einer Zeitspanne von 66 Jahren seit der Erstbesteigung den Gipfel des Mount Everests. Den 3100-Meilen-Lauf bezwangen in den letzten
22 Jahren nur 43 Personen. Puntigam ist es nun gelungen, den Ultralauf zum achten Mal in der vorgegeben Zeit von 52 Tagen zurückzulegen.

Zweimal hatte er dies nicht geschafft. Den österreichischen Rekord im 3100-Meilen-Lauf hält Puntigam mit 48 Tagen und 4 Stunden seit 2007 bis heute.

Was treibt einen Menschen an, mehr als zwei Marathons pro Tag abzuspulen?


Und das Jahr für Jahr: 5649 Runden auf demselben betonierten 883 Meter langen Rundkurs um einen Häuserblock im New Yorker Vorort Queens. Die kurze Runde wurde aus Sicherheitsgründen gewählt, und um eine optimale Betreuung der Läufer zu gewährleisten. Es sind nicht die äußeren Lorbeeren, Name und Ruhm die den gebürtigen Steirer zum Wiederholungstäter werden lassen: „Der Lauf ist eine innere Reise, die dich tief nach innen führt, eine andere Form des Jakobsweges mit mehr Druck. Du wirst auf allen Ebenen herausgefordert. Diesmal war es eine schmerzende Blase, die mich eineinhalb Monate begleitete. Oder dein Verstand will manchmal einfach nicht mehr. Du lernst, immer positiv und lösungsorientiert zu denken und nach dem Lauf fühlst du eine tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit. Du spürst einen inneren Frieden, der wochenlang anhält. Ich erlebe nach jedem Lauf einen Fortschritt, der auch im Alltag spürbar ist. Ich kann den Herausforderungen des Lebens zunehmend gelassener begegnen. Was bleibt ist mehr Vertrauen in sich selbst und in eine höhere Kraft.“

Die Teilnehmer des 4988 km langen Strassenrennes laufen oder gehen täglich von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. Dazwischen gibt es eine Pause. Nur 10 Paar Schuhe habe er dieses Jahr gebraucht, weil sein handwerklich geschickter Helfer Aharan Vorauer aus Villach sie mit Ersatzteilen flickte, berichet Puntigam. Die meisten seiner Laufkollegen verschleißen 20 Paar Schuhe. Gegessen wird laufend bei diesem Lauf. Die benötigten 10000 Kalorien sind nur mit viel Fett in den Körper zu bringen und indem du jede Runde isst. Puntigam schwört auf flüssige Fettshakes mit Avocados, Kokosfett oder Sahne. Sogar Eis aus Kokosfett und Früchten bereiten sich manche Läufer zu. Denn heiß ist es auch in New York um diese Zeit und die Luft ist so feucht, dass die Teilnehmer des Rennens jede Menge mineralreiche Drinks zu sich nehmen müssen, um nicht zu dehydrieren. Kokoswasser und alkohlfreies Bier ist Puntigams Rezept, um den enormen Mineral- und Wasserverlust über den Schweiß auszugleichen.

Der 3100-Meilen-Lauf wurde 1997 von dem in Indien geborenen Meditationsmeister Sri Chinmoy ins Leben gerufen, der selbst an vielen Marathons und Ultraläufen teilnahm. Sri Chinmoy (1931 – 2007) beschrieb den Nutzen eines Mehrtageslaufs einmal folgendermaßen: „Das Hinauswachsen über sich selbst (Selbsttranszendenz) ist das einzige, was ein Mensch braucht, um wirklich glücklich zu sein. Daher helfen diese Rennen den Läufern enorm, auch wenn sie äußerlich viele Strapazen auf sich nehmen. Schließlich fühlen sie am Ende des Laufes, dass sie etwas Bedeutungsvolles erreicht haben.“