Slizza-Schlucht

Lost Place in Italien

Lost Place - Slizza-schlucht


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s nach Italien, in die Slizza-Schlucht im italienischen Kanaltal. 

Auf dem Weg an die Oberen Adria kommen wir Steirer gleich nach der italienischen Grenze im Kanaltal an einem seltsamen Denkmal vorbei. Vor Tarvis taucht auf einer Anhöhe plötzlich ein riesiger grüner Soldat auf. Was ist das? Wir dürfen aufklären: Das Denkmal erfüllt eigentlich zwei Funktionen. Zum einen erinnert der Soldat an die Napoleonischen Kriege, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch zu Kämpfen im Kanaltal geführt haben. Zum anderen ist er der beste, weil größte Wegweiser zur Orrido della Slizza, der Slizza-Schlucht.

Bei der Slizza handelt es sich um einen knapp 30 Kilometer langen Fluss, der im italienischen Val del Rio del Lage (Seebachtal) unterhalb des Nevea-Sattels entspringt und bei Arnoldstein in Österreich in die Gail mündet. Bei Tarvis hat sich das Gewässer im Lauf der Jahrtausende bis zu 150 Meter tief in das Kalkgestein eingegraben. In die dadurch entstanden Schlucht führen Hunderte künstlich angelegt Stufen. Belohnt wird man für den Abstieg mit einem Rastplatz, von dem Urlauber, die oben auf der Autobahn in den Süden eilen, auf ihrer Reise nur träumen können. Weiße Kieselsteine, dahinter das – je nach Sonneneinstrahlung – eher türkise oder blaue Wasser der Slizza und rundherum viel Grün: Farben wie in der Karibik im alpinen Kanaltal. An heißen Tagen ziehen hier nicht nur Kinder gern die Wanderschuhe aus und waten durchs kühle Nass.

Flussaufwärts führt der Weg dann einen knappen Kilometer weiter durch die Schlucht. Man wandelt dabei zum Teil auf Holzstegen, die an Felswänden über dem Wasser hängen. Die alte Eisenbahnbrücke, die in 63 Meter Höhe und in exakt derselben Länge über die Schlucht führt, markiert das Ende des Steges entlang der Slizza. Über Stufen steigt man nun wieder auf – nicht ganz 150 Meter, sondern etwas weniger, weil es dazwischen flussaufwärts gegangen ist. Oben wartet ein Kuriosum: eine 2012 angebrachte falsche Infotafel. Neben einem Grenzstein mit der Aufschrift KRB übersetzt sie diese mit „Kaiser Reich Bahn“, was Eisenbahnhistorikern zusammenzucken lässt. KRB steht nämlich für die im 19. Jahrhundert in Betrieb gegangene Kronprinz-Rudolf-Bahn, die hier vorbeigeführt hat.

Das 1909, also noch zu Zeiten des österreichischen Kaiserreiches, errichtete Denkmal für die gegen Napoleon im Kanaltal gefallenen Soldaten ist über die Via Bamberga erreichbar. Sie zweigt, aus Tarvis kommend, links von der Staatsstraße 54 nach Fusine ab und führt direkt zu Parkplätzen neben dem Gelände des Bahnhofs Tarvisio Boscoverde. Von dort folgt man dem Radweg nach Krajnska Gora in nordöstlicher Richtung, bis nach zirka 200 Metern ein Hinweisschild links den Weg zum Denkmal und zur Slizza-Schlucht weist. Der Steig kann an sich ganzjährig benutzt werden. Gutes Schuhwerk ist erforderlich und ein Handtuch zum Abtrocknen der Füße nach dem freiwilligen Waten durch die Slizza empfehlenswert. Die reine Gehzeit in und durch die Schlucht beträgt ohne Pausen fürs Staunen etwa eineinhalb Stunden.




Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren und in den Büchern der beiden:

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