Seidl im Rollstuhl

Mit Handicap durch den Alltag

Tag der Menschen mit Behinderungen

Am 3. Dezember ist internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen. An diesem Tag soll das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderungen gestärkt werden. 

Unser Muntermacher Thomas Seidl war selbst einen Tag im Rollstuhl unterwegs, begleitet von Armin und Elena. Armin ist seit einem Motorradunfall vor drei Jahren von der Brust abwärts gelähmt. Elena sitzt von Geburt an im Rollstuhl und hat zusätzlich eine Sehbehinderung.

Schwierigkeiten im Alltag

Den Lift benutzen, Straßen überqueren oder das Ein- und Aussteigen bei Straßenbahnen und Bussen ist für Rollstuhlfahrer alles andere als einfach. Thomas Seidl stellt sich den Herausforderungen und testet selbst wie barrierefrei Graz ist. 

Vom Antenne Studio geht's mit der Bim in die Innenstadt, die Sporgasse rauf und wieder runter, durch den Grazer Adventmarkt und wieder zurück zum Studio. Wer hätte gedacht, dass die Herrengasse schief ist? 

Auch so ein banales Ding, wie eine Kabeltrasse, stellt eine Herausforderung für den ungeübten Thomas dar. 


Thomas Seidl über seine Erfahrungen im Rollstuhl:


"Lange hat es nicht gedauert bis für mich klar war - Aufstehen ist keine Option mehr. Zu sehr plagt einen da das schlechte Gefühl neben Elena und Armin, die tagtäglich mit den Herausforderungen als Rollstuhlfahrer zu kämpfen haben. Und das ist auch schon der erste Fehler, den ich gemacht habe: Die beiden sehen den Rollstuhl nicht als blödes Hindernis! Für Elena und Armin bedeutet ein Rollstuhl Freiheit, ansonsten wären sie ja nicht in der Lage sich selbstständig fortzubewegen.

Das Wichtigste, das ich in den zwei Stunden im Rollstuhl gelernt habe, ist Geduld. Ich bin von Grund auf ein sehr agiler Mensch, dem nix zu schnell gehen kann. Deswegen bin ich dann plötzlich auch etwas verloren auf den Straßenbahnschienen gestanden,  als ich versucht habe, schnell mit dem Rollstuhl die Straßenseite zu wechseln. Nur blöd, dass ich vergessen habe, dass mit einem Rollstuhl nichts schnell geht. Das hat auch der bereits wartende Bim-Fahrer gemerkt, der nur geschmunzelt und höflich gewartet hat, bis ich endlich mit mir selbst fertig war und die Straße fertig überquert hatte.

Elena und Armin haben mir zwei wunderschöne und auch sehr anstrengende Stunden beschert, in denen einem schnell bewusst wird, wie gut es uns gesunden Menschen geht und gleichzeitig, wie wenig Beachtung den Menschen im Rollstuhl geschenkt wird. Bitte, vor allem in der Weihnachtszeit, schaut auch mal kurz nach unten und nicht nur in die Auslagen. Rollstuhlfahrer können nämlich im Ernstfall nicht so ausweichen, wie Du!"



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