Schulnoten wieder Pflicht

Das neue Schul-Paket

Ziffernnoten werden in Volksschule ab 2. Klasse Pflicht 

Die Bundesregierung schickt kommende Woche ihr "Pädagogik-Paket" in Begutachtung. Mit dem neuen "Pädagogik-Paket" soll sich ab dem kommenden Schuljahr unter anderem die Beurteilung an den Volksschulen und Neuen Mittelschulen (NMS) bzw. künftig nur Mittelschulen ändern (die Bezeichnung "Neue" soll wegfallen, Anm.). 

Überblick über die derzeitige und künftige Notengebung

Volksschule:

Derzeit: An den Volksschulen kann seit dem Schuljahr 2016/17 in den ersten drei Volksschulklassen anstelle von Ziffernnoten eine schriftliche "Leistungsinformation" eingesetzt werden. Die Entscheidung darüber wird von Lehrern und Eltern am Schulstandort gefällt, die Regelung kann auch je nach Klasse unterschiedlich sein (z.B. Ziffernnoten in der A-Klasse, Leistungsinformation in der B-Klasse). Entscheiden sich die Eltern gegen Ziffernnoten, erhalten sie stattdessen jeweils am Ende des Semesters eine detaillierte "schriftliche Information über die Lern- und Entwicklungssituation" ihres Kindes samt vorhergehendem Bewertungsgespräch. Sitzenbleiben gibt es erst ab der vierten Klasse.

Künftig: Bis zum Semesterzeugnis der zweiten Klasse können Schulen autonom entscheiden, ob sie mit Ziffernnoten oder alternativ beurteilen wollen. Wählen sie die Ziffernnoten, muss zusätzlich noch verbal beurteilt werden. Wählen sie die Alternativ-Beurteilung, haben Eltern das Recht, zusätzlich auf einer Ziffernnote zu bestehen. Ab Ende der zweiten Klasse sind dann Ziffernnoten verpflichtend. Darüber hinaus muss es aber noch eine Verbal-Beurteilung anhand eines Bewertungsrasters geben. Sitzenbleiben gibt es ab der zweiten Klasse.

(Neue) Mittelschule:

Derzeit: An den NMS gibt es in den dritten und vierten Klassen eine quasi siebenstufige Notenskala in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Wer in diesen Fächern die Basisbildung erreicht, wird nach der Notenskala für "grundlegende Allgemeinbildung" beurteilt - wer komplexere Sachverhalte beherrscht, nach der Skala für "vertiefte Allgemeinbildung". Bei der vertieften Bildung reicht die Notenskala nur von "Sehr Gut" bis "Genügend", denn ein "Nicht Genügend" in diesem Beurteilungsschema entspricht einem "Befriedigend" nach "grundlegender Allgemeinbildung". Die Skala bei der "grundlegenden Allgemeinbildung" reicht indes nur von "Befriedigend" bis "Nicht Genügend". Sinn der Regelung ist es, einerseits zu viele "Nicht Genügend" zu verhindern - stattdessen kann auch auf einen Dreier oder Vierer bei eben "nur" grundlegender Allgemeinbildung zurückgegriffen werden. Gleichzeitig dürfen die nach diesem Notenschema beurteilten Schüler aber keine AHS-Oberstufe oder BHS besuchen.

Künftig: Wieder zwei Leistungsgruppen

An den Neuen Mittelschulen (NMS) soll es ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse) zwei unterschiedliche Leistungsniveaus ("Standard" und "Standard-AHS") geben. Für beide Leistungsniveaus gibt es aber je fünfteilige Notenskalen. Gleichzeitig bleiben zwar die bisherigen Differenzierungsmöglichkeiten wie Teamteaching erhalten, werden aber durch eine zusätzliche Möglichkeit ergänzt: Schulen können in Deutsch, Mathe und Englisch ab der sechsten Schulstufe auch dauerhafte Gruppen einrichten.

Neu: Es gibt künftig auch beim "Standard" Einser und Zweier, die wiederum dem "Befriedigend" bzw. "Genügend" im "Standard AHS" entsprechen. 

Das sagen die Lehrer zu den Neuerungen 

Für den Vorsitzenden der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, geht das Pädagogik-Paket grundsätzlich in die richtige Richtung. 

Mit der Abschaffung der siebenteiligen Notenskala an der NMS werde ein langjähriges Anliegen der Lehrer erfüllt, so Kimberger.

"Wir haben immer gesagt, dass es ein Problem ist, wenn man in einem einzigen Schultyp eine andere Benotungsform einführt."

Auch die Möglichkeit zur schulautonomen Führung von Leistungsgruppen entspreche einem Wunsch der Pädagogen - diese würden zwar nicht jenen der "alten" Hauptschule entsprechen, böten aber die Möglichkeit zum Arbeiten mit verschiedenen Leistungsniveaus.

Gleichzeitig sei es den Lehrern wichtig gewesen, in der ersten und am Anfang der zweiten Klasse an der alternativen Leistungsbeurteilung festzuhalten. Da gebe es an den Schulen schon zahlreiche erprobte Modelle, meinte Kimberger. Allerdings fehlten noch genaue Details zu den angekündigten neuen Bewertungsrastern. Dabei müsse darauf geachtet werden, dass sich die Verwaltung und Bürokratie für die Pädagogen im Rahmen halten: "Die Belastungen sind jetzt schon hoch genug."

"Fordern und fördern"

Erfreut zeigte sich auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ): "Mit der versprochenen Wiedereinführung der Schulnoten kehren wir zum bewährten System zurück und beenden die gescheiterten Irrwege der letzten Jahre." Er verwies darauf, dass heute mehr als 20 Prozent aller Pflichtschüler nicht mehr sinnerfassend lesen können: "Hier darf nicht länger zugesehen werden, wie Kindern ihre Zukunft genommen wird. Fordern und fördern, modern und konsequent, wird wieder das Leitprinzip an Österreichs Schulen." An der Aufstiegsberechtigung ändert sich dadurch nichts. 


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