Raccolanatal

Lost Place in Italien

Lost Place - Raccolanatal


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s in das oberitalienische Raccolanatal. 

Das 13 Kilometer lange Raccolanatal verbindet Chiusaforte (vom Durchfahren Richtung Andria auf der Autobahn A23 zwischen Pontebba und Carnia bekannt) mit dem Wintersportort Sella Nevea. Die Straße durch das Tal folgt weitgehend dem Verlauf des unglaublich türkisen Gebirgsbaches Raccolana, in dem im Hochsommer an einigen Stellen wild gebadet wird. Links und rechts stürzen immer wieder große und kleine Wasserfälle von den Felsen. 

Das Raccolanatal ist nicht besonders dicht besiedelt, die kleinen Ortschaften entlang der Straße wirken wie ausgestorben. Es gibt aber ein Schmuckstück, in das mittlerweile zum Teil neues Leben eingekehrt ist: das verträumte Bergdorf Patocco. Es liegt hoch über dem Talboden in 801 m Seehöhe und war bis Anfang des 20. Jahrhunderts nur zu Fuß erreichbar. Im Ersten Weltkrieg sprengte das italienische Militär dann eine abenteuerliche Verkehrsverbindung in den Felsen. Sie zweigt 2,5 Kilometer nach Chiusaforte von der Straße durchs Tal ab. Ihre Kehren sind teilweise so eng, dass man mehrmals reversieren muss, um ohne Blechschaden um die Kurve zu kommen. 

Nach viereinhalb hoffentlich gegenverkehrsfreien Kilometern erreicht man das Dorf, an dessen Eingang man das Auto stehen lassen muss. Durch die Ortschaft führen keine Straßen, sondern nur der kurios mit bunten Fähnchen ausgeschilderte Giro di Patocco. Der gemütliche Rundweg führt in zirka einer Stunde durch den Ort und den angrenzenden Graben. In der Siedlung reihen sich verfallene Steinhäuser, die nach dem Erdbeben 1976 nicht mehr aufgebaut wurden, an liebevoll hergerichtete, die nun als Feriendomizile genutzt werden. Vom höchsten Punkt der Strecke hat man eine tolle Aussicht auf das Raccolanatal.



Im Tal wurde ein Dorf nach dem Erdbeben komplett aufgegeben. Chiout degli Uomini bestand einst aus etwa einem Dutzend Häusern, heute sind sie alle Ruinen. In der kleinen Geisterstadt wohnt kein Mensch mehr. Sie ist frei zugänglich, allerdings – wie Patocco – nur zu Fuß. Das Auto lässt man, von Chiusaforte aus kommend, in der Ortschaft Saletto stehen, sie liegt auf etwa halbem Weg zwischen der Abzweigung nach Patocco und dem Goriuda-Wasserfall. Beim ersten Haus an der Nebenstraße durch Saletto führt rechts eine Brücke über einen Bach. Es folgt ein Weg, der aufwärts in zirka 10 Minuten nach Chiout degli Uomini führt. Bei einer Besichtigung sollte man vorsichtig sein und das Innere der Ruinen meiden! Ein Spaziergang durch die engen Gassen zwischen den einsturzgefährdeten und zum Teil mehrstöckigen Gebäuden ist Nervenkitzel genug.

Auch der zehnminütige Spaziergang zum sagenumwobenen Goriuda-Wasserfall beginnt direkt an der Straße durch das Tal (11,3 Kilometer nach der Abzweigung in Chiusaforte). Der Weg ist beschildert. Zur Quelle Fontanone di Goriuda gibt es vom Wasserfall aus keine direkte Verbindung. Der Wanderweg zur Höhle beginnt ebenfalls an der Straße, der man dafür einen Kilometer weiter Richtung Sella Nevea folgt. Der Ausgangspunkt ist mit einem Wegweiser gekennzeichnet, das Auto kann man aber erst 150 Meter weiter stehen lassen. Die Gehzeit zur Quelle beträgt zirka 20 Minuten. Achtung: Dazwischen gabelt sich der Weg einmal, hier hält man sich rechts und folgt nicht (!) den Schildern Richtung Goriuda-Alm.


Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren und in den Büchern der beiden:

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