Nordische WM: Dopingrazzien

Nächster Langläufer festgenommen

Nächster Langläufer in Innsbruck festgenommen

Der während der Nordischen Weltmeisterschaften in Seefeld aufgeflogene Dopingskandal zieht immer weitere Kreise. Am Dienstag wurde in Innsbruck ein weiterer Langläufer festgenommen. Laut einem Bericht der Online-Ausgabe der "Kronen Zeitung" soll es sich dabei um den während der Olympischen Spiele 2014 des Dopings überführten Johannes Dürr handeln.

Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft bestätigte inzwischen die Festnahme, allerdings nicht den Namen Dürr. Sie sprach davon, dass sich ein "Verdacht gegen einen weiteren Langläufer" ergeben habe, der "zuvor selbst aufgrund seiner Angaben die Ermittlungen in Deutschland gegen den Sportmediziner aus Erfurt in Gang gebracht hat".

Skandal bei Ski-WM

Die Ermittler in der Dopingcausa rund um die Nordischen Ski-WM in Seefeld haben am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck neue Details bekannt gegeben. Einer der fünf festgenommenen Sportler wurde in seiner Unterkunft in Seefeld "auf frischer Tat" ertappt, sagte Dieter Csefan vom Bundeskriminalamt.

"Er wurde mit einer Bluttransfusion im Arm aufgegriffen", so Csefan. Um welche Sportler es sich dabei handelte, wollte der Ermittler unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Bestätigt wurde indes, dass es sich bei den Athleten um zwei Österreicher, zwei Esten und einen Kasachen handelte. Unter den des Dopings verdächtigten Sportlern sind auch die ÖSV-Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke. Dies bestätigte Markus Gandler, der Sportliche Leiter im ÖSV für Langlauf und Biathlon, in einem ORF-Interview. Die Sportler sollen mit Eigenblut gedopt haben, so der Vorwurf.

Der schockierende Beweis ist nun online: ein Video, aufgenommen von der Polizei. Es zeigt den österreichischen Langläufer Max Hauke, als er mit der Nadel im Arm beim Dopen erwischt wurde.

BKA sowie Staatsanwaltschaft Innsbruck schlossen nicht aus, dass weitere Personen betroffen sein könnten. Und sprachen von einer "geschlossenen Indizienkette". So sei etwa in Erfurt ein komplettes Dopinglabor inklusive Equipment ausgehoben worden, das dem 40-jährigen Sportmediziner, der als mutmaßlicher Haupttäter gilt, zugerechnet wird.

Die Dopingcausa dürfte indes noch weitere Kreise ziehen. "Es sind sicher auch noch andere Sportarten betroffen", erklärte Csefan. Die "kriminelle Organisation" sei jedenfalls seit mehr als fünf Jahren weltweit tätig.

Baldauf und Hauke droht Beendigung der Dienstverhältnisse 

Dominik Baldauf und Max Hauke drohen auch dienstrechtliche Konsequenzen. 

Baldauf und Hauke absolvieren derzeit die polizeiliche Grundausbildung, das könnte aber bald beendet werden. "Wir haben aufgrund der heute bekannt gewordenen Umstände – gemeinsam mit den Dienstbehörden der zuständigen Landespolizeidirektionen – eine sofortige Prüfung des Ausschlusses aus dem Kader der polizeilichen Spitzensportler sowie eine Prüfung der Beendigung der Dienstverhältnisse eingeleitet", erklärte der Leiter der Präsidialsektion im Innenministerium, Karl Hutter, in einer Aussendung, ohne die Namen der beiden Sportler zu nennen.

Eine Entscheidung werde nach Vorliegen der Sachverhaltsdarstellungen der Staatsanwaltschaft erfolgen. "Für das BMI gilt jedenfalls das Null-Toleranz-Prinzip, wenn es um die Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken geht", so Hutter.

Was ist Blutdoping?

Blutdoping steht auf der Liste der verbotenen Methoden des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Unter diesen Begriff fallen nur Transfusions-Methoden mit Eigen- (autologe) und Fremdblut (homologe Methode). 

Beim Blutdoping wird rund ein Liter Blut - entweder fremdes, das mit der Blutgruppe und dem Rhesusfaktor des Dopingsünders übereinstimmen muss, oder eben eigenes - dem Körper zugeführt. Da ein Sportler normalerweise über nur maximal acht Liter Blut im Körper verfügen kann, beginnt sich das Volumen sofort zu regulieren. Das heißt, der überflüssige Liter, respektive die Plasma-Flüssigkeit, wird vom Körper abgebaut. In der Regel geschieht dies bereits eineinhalb Stunden nach der Transfusion durch Urinausscheidung.

Die roten Blutkörperchen des zugeführten Liters verbleiben dagegen im Blut, womit der vor allem im Ausdauersport förderliche Effekt einer besseren Sauerstoffversorgung der Muskeln erreicht wird. Denn je mehr rote Blutkörperchen vorhanden sind, umso mehr Sauerstoff kann im Körper transportiert werden. Wissenschaftliche Untersuchungen sprechen von Leistungssteigerungen durch Blutdoping von bis zu 15 Prozent. Eine unerwünschte Nebenwirkung dieser im Profisport verbotenen Methode ist der Anstieg der Infektionsgefahr, vor allem bei homologen Verfahren.

Der leistungssteigernde Effekt hält wie im Falle von EPO zwei bis drei Wochen an. Blutdoping ist seit 2004 nachweisbar. Bekannt ist diese verbotene Technik zur Leistungssteigerung aber bereits seit den 1970er-Jahren, sie wurde bereits in den 80er-Jahren angewandt, ehe sie in den 90er-Jahren von Erythropoietin (EPO) vorübergehend verdrängt wurde. Erst die Entwicklung eines zuverlässigen Dopingtests für EPO zu Beginn des Jahrtausends führte zu einer "Rückbesinnung".

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