Leitspital Liezen

67,3 Prozent gegen zentrales Krankenhaus

Volksbefragung: Weniger als ein Drittel für Leitspital

Am Sonntag stimmten die Einwohner des obersteirischen Bezirkes Liezen (gesamt: 80.082 Einwohner) über die Errichtung eines von der Landesregierung geplanten Leitspitals in der Gemeinde Stainach-Pürgg ab.


Das Leitspital soll bis 2025 um rund 250 Millionen Euro auf der grünen Wiese entstehen - auf einem Grundstück zwischen dem Bahnhof Stainach und der Ortsumfahrung, der B320 (Ennstalbundesstraße). Die im Bezirk befindlichen LKH Rottenmann und Bad Aussee sowie das von der Evangelischen Diakonie betriebene Diakonissenkrankenhaus Schladming sollen Facharzt- bzw. Gesundheitszentren werden. 

Was würde mit den anderen Krankenhäusern passieren?

In Rottenmann und Schladmingsoll es eine Tagesklinik mit Fachärzten für Chirurgie, Gynäkologie, Orthopädie- und Traumatologie sowie Radiologie geben. In Bad Aussee kommt ein Gesundheitszentrum, die Ausrichtung wird noch festgelegt. Teile der Bevölkerung fürchten um ihre gesundheitliche Nahversorgung, das Land argumentiert u.a. mit der Konzentration ärztlicher Kompetenz an einem zentralen Ort des Bezirks.

Bevölkerung dagegen 

Die Volksbefragung zum Leitspital im obersteirischen Bezirk Liezen hat am Sonntag eine recht hohe Beteiligung von 42,18 Prozent (26.129 abgegebene Stimmen) und mit rund 67,3 Prozent (17.512) ein deutliches Nein zu den Plänen der Landesregierung gebracht. Nur 32,7 Prozent der Wähler (8.520) votierten für ein Leitspital in Stainach-Pürgg. Das Ergebnis ist rechtlich nicht bindend. 

An den Standorten der drei bestehenden Krankenhäuser war die Ablehnung besonders deutlich: In Bad Aussee stimmten 89,63 Prozent gegen das Leitspital, in Rottenmann waren 95,96 Prozent und in Schladming 91,33 Prozent gegen das Projekt. Die Wahlbeteiligung lag in Rottenmann über 66 Prozent, in Bad Aussee bei 51,8 Prozent und in Schladming bei 41,69 Prozent. 

1.921 Personen machten von den Stimmkarten Gebrauch. Das offizielle Endergebnis soll gegen 17.00 Uhr von der Landeswahlbehörde beschlossen werden. 

Ergebnis der Befragung rechtlich nicht bindend

Die Vertreter der SPÖ-ÖVP-Landesregierung ließen denn auch lediglich erkennen, dass sie Kommunikation und Dialog mit der Bevölkerung verstärken wollen. LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und LHStv. Michael Schickhofer teilten in einer gemeinsamen Aussendung mit, sie nähmen das Ergebnis der Volksbefragung in Liezen zur Kenntnis. Man werde zum Wohle der Bevölkerung am großen Projekt des "Regionalen Strukturplan Gesundheit 2035" festhalten. Die damit verbundene Notwendigkeit von Reformen solle mit einer noch besseren Kommunikation verstärkt vermittelt werden.

Der zuständige Gesundheitslandesrat Drexler sagte, er verstehe die Volksbefragung auch "als Auftrag, Verunsicherung abzubauen und Ängste zu nehmen". Mit der Befragung sei auch eindeutig der Auftrag verbunden, die Pläne und Vorhaben noch deutlicher zu kommunizieren, sagte Drexler. Man müsse die von den Standortgemeinden der bestehenden Spitäler (Rottenmann, Schladming, Bad Aussee, Anm.) geäußerten Sorgen ernst nehmen und noch klarer herausarbeiten, welches Angebot an Gesundheitsversorgung es in Zukunft dort geben werde. Es dürfe aber nicht nur - wie es bei der von FPÖ und KPÖ initiierten Befragung der Inhalt gewesen sei - über Spitalsstandorte diskutiert werden.