Jakobikirche

Lost Place in der Steiermark

Lost Place - jakobikirche


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht zur verlassene Jakobikirche am Mitterberg in St. Marein bei Neumarkt.

Wer die frühromanische Jakobikirche in 1036 m Seehöhe sehen will, muss sich das mit einem kurzen Fußmarsch über eine teilweise sumpfige Wiese verdienen. Trockene Stellen sind ebenso rar wie gesicherte Information. 1460, so viel steht fest, erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als Tochterkirche von St. Marein. 1787 wurde das Gotteshaus im Zuge der Josephinischen Pfarrregulierung aufgehoben. Dem Verfall preisgegeben, verkam es langsam zur Ruine. Eine Zeit lang diente das Gebäude als Heustadl, bis Kinder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zündelten und der von ihnen verursachte Brand das Dach und die Westmauer zum Einsturz brachte.



Es folgten weitere Jahrzehnte feuchter und bröckelnder Mauern, in denen sich nun überhaupt niemand mehr um die Kirche kümmerte. Seit 2002 geht es mit dem Lost Place aber Gottlob wieder aufwärts: Die Jakobikirche war damals das erste Objekt, das die gemeinnützige „Österreichische Baukultur Privatstiftung“ unter ihre Fittiche nahm. Zweck der Organisation mit Sitz in Graz ist – nach dem Vorbild des englischen „National Trust“ – die Erhaltung und Verwaltung historisch bedeutender Baudenkmäler, für die weder Eigentümer noch die öffentliche Hand aufkommen können oder wollen. Die Stiftung finanzierte die Instandsetzung des Gotteshauses und umfangreiche archäologische Untersuchungen, die sowohl im Gebäude als auch in der unmittelbaren Umgebung durchgeführt wurden.

Dabei stellte sich relativ rasch heraus, dass der heutige Kirchhügel vor 1000 Jahren ein Burghügel war. Man stieß auf die Fundamente der Ringmauer, die das künstliche eingeebnete Plateau der Erhebung einst umschloss.



Die auch auf GoogleMaps verzeichnete Jakobikirche am Mitterberg liegt westlich von St. Marein bei Neumarkt. Man erreicht sie, wenn man im Ortszentrum von der Friesacher Straße (B 317) zur Pfarrkirche St. Marein abbiegt und der Straße nach Pöllau folgt. Von ihr zweigt nach drei Kilometern der Zeischgl-Rinner-Weg ab, der an der Buschenschank Zeischgl vorbeiführt und nach etwa einem Kilometer endet. Querfeldein und zu Fuß geht es dann noch 400 Meter Richtung Norden zur meist verschlossenen Kirche und den zwei benachbarten Ruinen. 

Wer es lieber sportlich hat, kann die Jakobikirche über den Familienwanderweg „Alles Familie!“ auf- und besuchen. Das Gotteshaus ist eine von insgesamt zwölf Stationen entlang der fast neun Kilometer langen Rundstrecke, die beim Gasthaus Fischerwirt in Zeutschach beginnt. Der eher gemütliche Wanderweg – in rund zweieinhalb Stunden Gehzeit sind nur knapp 200 Höhenmeter zu bewältigen – wurde vom Familienreferat der Diözese Graz-Seckau angelegt.

Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren und in den Büchern der beiden:

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