Interview mit Max Zirngast

Steirer in Türkei festgenommen

Der von einem türkischen Gericht kürzlich freigesprochene Aktivist Max Zirngast ist nach Österreich heimgekehrt. Ihm war die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen worden. Der 30-jährige Steirer wurde am Donnerstagnachmittag auf dem Flughafen Wien von Familie, Freunden und Unterstützern begrüßt. Wir haben ihn zu einem Interview getroffen. Darin erzählt er unter anderem wie das türkische Hochsicherheitsgefängnis ausgeschaut hat, wie die Haftbedingungen in der Türkei sind, warum er nur zu seinem Zellengenossen Kontakt gehabt hat und warum er 1 Jahr lang alle 4 Tage dem Haftrichter vorgeführt worden ist:

Zirngast hatte seit 2015 als Student in Ankara gelebt und in dieser Zeit für linksgerichtete Blätter über die politische Situation in der Türkei geschrieben. Er äußerte sich dabei kritisch über das Regime von Präsident Recep Tayyip Erdogan, insbesondere dessen Kurdenpolitik. Der 30-Jährige betonte bei seiner Rückkehr, dass er "nicht ändern werde, was ich bisher gemacht habe". Das wäre sonst ein "Erfolg" für jene, die ihn inhaftiert hatten.

Der Steirer wurde im September 2018 festgenommen und anschließend gemeinsam mit den türkischen Aktivisten Hatice Göz, Mithatcan Türetken und Burcin Tekdemir angeklagt. Er wurde am Heiligen Abend 2018 zwar freigelassen, durfte aber das Land nicht verlassen.

Genau ein Jahr nach seiner Festnahme, am 11. September 2019, kam dann der überraschende Freispruch vor einem Gericht in Ankara für Zirngast und alle seine Mitangeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte "aus Mangel an Beweisen" in diesem Sinn plädiert. Der Aktivist und seine Unterstützer hatten zuvor eher erwartet, dass die türkische Justiz den Fall in die Länge ziehen würde. Eine Woche später wurde das Urteil rechtskräftig, damit durfte der Österreicher aus der Türkei ausreisen.