Die Immobilientage 2022

Bodenversiegelung & Umwelt

BODENVERSIEGELUNG


Obwohl die Steiermark den Beinamen "das Grüne Herz Österreichs" trägt, wird täglich Boden im Ausmaß von drei Fußballfeldern versiegelt. Bei der Bodenversiegelung werden natürliche Flächen durch künstliche Erzeugnisse ersetzt. Statt saftigen Blumenwiesen prägen kahle Einkaufscentren und Supermärkte das Bild unserer schönen Steiermark. Auch wenn man ein Einfamilienhaus baut, geht Fläche verloren. Doch mit einem Haus allein ist es nicht getan. Man braucht einen Parkplatz und die entsprechende Infrastruktur. Der im Boden stattfindende Wärmeaustausch und der natürliche Wasserkreislauf werden unterbunden. Dadurch kann Wasser nicht mehr versickern und die Ein- und Rückstrahlung der Sonne wird unterbrochen.
Die Bodenversiegelung führt vor allem zur Zersiedelung. Das meint, dass Städte immer weiter ins Grüne, und damit weiter weg vom wirklichen Stadtkern, gebaut werden. Das betrifft aber nicht nur Häuser, sondern auch die entsprechende Infrastruktur, wie Straßen. Insbesonders in der Süd-, Ost- und Weststeiermark sowie im Grazer Umland kommt es zu einer starken Zersiedelung. Auch die Mobilität wird dadurch beeinflusst. Mehr Menschen müssen auf ihr Auto zurückgreifen. Infolgedessen entstehen vermehrt Emissionen, die sich negativ auf unsere Umweltbilanz auswirken. Die Zersiedelung ist auch verantwortlich, dass gesetzte Klimaziele nicht erreicht werden. Die Auswirkungen bekommen auch Landwirte zu spüren. Wie es ihnen dabei geht, erfährst Du am Ende des Artikels.
Wer jetzt denkt, die Gemeinden sollen einfach nichts mehr dazu bauen, hat falsch gedacht. Der Verkauf von Boden bringt natürlich mächtig Geld und Gemeinden möchten wettbewerbsfähig bleiben. Entstehen neue Gewerbegebiete, klingelt also die Kasse. Je mehr gebaut wird, desto höher ist der Grad der Versiegelung. Eine Gemeinde, in der in den letzten Jahren auffallend viel gebaut worden ist, ist Kaldsdorf. Was sie künftig tun möchten, um Bodenversiegelung zu vermeiden, kannst Du dir im Interview mit dem Kalsdorfer Bürgermeister anhören. Das findest Du weiter unten.


Auch (wenn nicht sogar vor allem) die Politik ist rund um das Thema Bodenversiegelung gefortert. Muss allerdings den Spagat hin zum wirtschaftlichen Vorankommen schaffen.

Proleme sind dafür da um gelöst zu werden. So könnte man den Plan der Politik gegen das "große Versiegeln" beschreiben.

Klimaforscher klärt auf


Was bedeutet Bodenversiegelung und warum MUSS uns das interessieren? Welche Auswirkungen hat die Zersiedelung und fortschreitende Bodenversiegelung auf unser Leben? Gottfried Kirchengast ist Klimawissenschaftler und Professor für Geophysik an der Universität Graz. Er hat das dort ansässige Wegener Center für Klima und Globalen Wandel gegründet und erklärt Dir das Wichtigste zum Thema:

Eine negative Auswirkung, die uns besonders interessieren sollte, ist unsere Ernährung und die Regionalität unserer Lebensmittel. Aufgrund der Zersiedelung werden zunehmend Flächen, die eigentlich für die landwirtschaftliche Nutzung gedacht sind, verbaut. Stattdessen dienen sie als Produktions- oder Gewerbeflächen. Indem freie Flächen verbaut werden, werden diese der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Indem der Anbau von Lebensmitteln nicht mehr möglich ist, geht die Regionalität verloren. Infolgedessen steigt die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten.   

In stark versiegelten Städten entstehen sogenannte Hitze-Inseln. Im Sommer können die Temperaturen in den Städten um einige Grad steigen. Die Wärme wirkt sich auch auf unsere Gesundheit aus. Die enorme Versiegelung macht sich auch an heißen Sommertagen bemerkbar: der Asphalt heizt sich auf und gibt Wärme ab. Im Gegensatz dazu kommt es bei starkem Regen vermehrt zu Überschwemmungen und Hochwasser. Wetter- und Klimaextreme, wie Hitze und Trockenheit, wirken sich negativ auf die Qualität unserer Luft aus.

Darüber hinaus zerstören wir unsere Natur. Die Biodiversität und die Artenvielfalt gehen verloren. Tiere müssen dem Beton weichen und natürliche Funktionen des Bodens gehen verloren. Unsere Landschaft zerstören wir dadurch auch.

Den wichtigsten Beitrag, den wir selbst leisten können, ist, zu sagen, dass wir keine zusätzlichen Flächen versiegeln. Immerhin gibt es viele bestehende Häuser oder Flächen, die ungenutzt sind und wieder revitalisiert werden können. Gottfried Kirchengast hat eine klare Antwort: "Dort wo noch nicht versiegelt ist, nicht (zu) bauen". Was man sonst noch tun kann, ist, möglichst viele Bäume und Büsche zu pflanzen. Die Begrünung sorgt für ein angenehmes Klima und eine gute Luftfeuchtigkeit. Wer einen grünen Daumen hat, kann auch Kräuter sowie Obst und Gemüse anpflanzen.

Versiegelte Flächen können wieder entsiegelt werden. Entscheidend ist aber, was zuvor auf diesen Flächen stand und wie sie genutzt wurden. Flächen, die man der Natur zurückgeben möchte, können halbwegs kostengünstig entsiegelt werden. Ausschlaggebend ist jedoch der Aufwand, der getätigt werden muss, um die Fläche zu entsiegeln. Dass sich wertvolle Böden wieder aufbauen nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. 

Gottfried Kirchengast spricht sich für ein raumordnungspolitisches Konzept aus, das der massiven Versiegelung Einhalt gebietet. Nur so können wir unsere Natur schützten und einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Univ.-Prof. Mag. Dr.rer.nat. Gottfried Kirchengast (c) Universität Graz

NOVELLE FÜR DIE Raumordnung IN DER STEIERMARK


Die Überarbeitung der Raumordnung in der Steiermark befindet sich in der Endphase: 

Das steirische Baugesetz und die Raumordnung sind im Großen & Ganzen mittlerweile 10 Jahre alt. Nun kommt tatsächlich die Novelle. Diese soll auch den hohen Bodenverbrauch verringern. 

Den umfangreichen Entwurf haben die Landtagsklubs von SPÖ & ÖVP erarbeitet und soll am 26. April 2022 im Landtag beschlossen werden. 

das soll sich ändern


Bauland in Zentrumsnähe der Gemeinden soll mobilisiert werden (das schon ab einer Fläche von 1000 m²) In den Randbereichen soll in Zukunft in Freiland rückgewidmet werden können. Und damit die Parkplätze nicht unendlich wachsen. 

Abgaben:


Vorgaben:


Landwirtschaft & Handel:

Bei landwirtschaftlichen Anlagen kommen "Geruchszonen" (statt Geruchszahlen). Ab einem gewissen Wert wird neuer Wohnbau bzw. landwirtschaftlicher Tierbetrieb nicht mehr zulässig sein. Basis dafür ist eine Ausbreitungsberechnung für JAhresgeruchsstunden.

HAndel: Neubauten mit einer Verkaufsfläche ab 400 m² müssen mindestens zweigeschoßig sein. Für Neu- und Ausbai von Handeslbetrieben bzw. Einkaufszentren gilt: Bis zu 800 m² Verkaufsfläche sind Parkplätze bis 800 m² zulässig. Darüber hinaus braucht es mindestens eine zweite Parkebene.

Quelle: Novelle-Entwurf vom 19.03.2022


Flächenwidmungsplan (Ausschnitt) (c) Gemeinde Kalsdorf

Bauboom in Kalsdorf


Die Gemeinde Kalsdorf, im Süden von Graz, ist eine der am stärksten betroffenen Gemeinden in der Steiermark, was Bodenversiegelungen und Neubauten betrifft.

Bürgermeister Manfred Komericky spricht mit Steiermark Reporter Roland Schmidt über die aktuelle Situation und wie er seine Gemeinde vor einer vollständigen "Zubetonierung" bewahren möchte.


Auswirkungen auf die Landwirtschaft


Der Bauboom geht auch nicht spurlos an der Landwirtschaft vorbei. Ackerflächen werden oder sind bereits in Bauland umgewidmet und werden zu Preisen gehandelt, wo Landwirte nicht mehr mitbieten können.

Landwirt Andreas Baumhackl aus der Gemeinde Premstätten erzählt Steiermark Reporter Roland Schmidt, warum er seine Ackerflächen in Gefahr sieht und wie er damit umgeht.


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