Heimisolation mit Kindern

Tipps einer Kinder- & Jugendpsychologin

Für Familien ist die Zeit gerade besonders herausfordernd. Die Kinder sind im Home Learning, die Eltern im Home Office. Bedeutet also: JEDER. IST. ZUHAUSE. Dass die Nerven da früher oder später blank liegen und einem die Decke auf den Kopf fällt, ist ganz normal. 

Lilli Specht ist Kinder- & Jugendpsychologin am Institut für Familienförderung in Graz und hat uns gesagt, was Kinder und Eltern jetzt brauchen. Eine schöne Nachricht vorweg - Sie sieht in der herausfordernden Zeit auch einen großen Vorteil für alle Eltern...

DER VORTEIL IST, DASS WIR ALS ELTERN jetzt STÄRKER DIE ERZIEHUNGSVERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN KÖNNEN. DIESE GEBEN WIR IM ALLTAG SONST ZU OFT AN SCHULEN UND VEREINE AB.

TIPPS & TRICKS FÜR DEN 24/7-FAMILIENALLTAG

  1.  Bring Struktur in den Tag. Fixe Aufsteh-, Essens- und Home Schooling- bzw. Home Office-Zeiten definieren und DURCHZIEHEN. Vor allem bei den Kids sollten die Lerneinheiten am Nachmittag abgeschlossen sein, damit genügend Zeit für Freizeit bleibt.
  2. Jüngere Kinder, die vielleicht noch gar nicht schulpflichtig sind, sollten so gut es geht in den Alltag der Eltern integriert werden. Du musst staubsaugen? Dann gibt deinem Kind einen Besen und bitte es mitzuhelfen. Du willst kochen? Dann gib deinem Kind kleine Aufgaben, die es ohne Probleme erfüllen kann. So ist dein Kind beschäftigt & es fühlt sich gebraucht. Tendenziell wollen Kinder in dem Alter ohnehin gerne das machen, was die Eltern tun.
  3. Bei älteren Kindern, die derzeit im Home Schooling sind, ist der geregelte Tagesablauf besonders wichtig. Nach den Pflichten sollte aber auch immer Zeit für Spaß bleiben. Und übrigens: Jetzt ist nicht unbedingt die richtige Zeit, um Fernsehen oder Tablets zu verbieten... (Und ja, auch diese Information kommt von der Psychologin!)
  4. Gerade für Teenager ist die Zeit "isoliert" von ihren Freunden schwer. Deshalb sind Gruppenarbeiten im Home Schooling oder auch freiwillige Nachbarschaftshilfe besonders empfehlenswert. Einerseits pflegen sie dort ihre sozialen Kontakte und andererseits fühlen sie sich dadurch gebraucht und übernehmen eine bestimmte Aufgabe in der Gesellschaft.
  5. Die Phase ist eine riesige Chance für Geschwister. Jetzt, wo der übliche Freundeskreis wegfällt, können sich Geschwister einander annähern und Gefallen aneinander finden (wenn sie das nicht ohnehin schon getan haben). ;-)
  6. Der wichtigste Tipp an alle Eltern ist aber wohl der:
JETZT IST DER FALSCHE ZEITPUNKT FÜR ÜBERTRIEBENE KONSEQUENZ, ÜBT EUCH IN GELASSENHEIT."

WIE VIEL SOLL ICH MEINEM KIND ÜBER DAS CORONAVIRUS ERZÄHLEN?

Natürlich sollte das Kind erklärt bekommen, warum es jetzt zuhause bleiben muss. Wichtig ist aber, dass du die Informationen altersgerecht verpackst. Kinder sollten nichts über die globale Panik erfahren, die gerade spürbar ist. Wichtiger ist es zu erklären, was dir und deinem Partner gerade Angst macht. Zum Beispiel: "Wir haben Angst, dass Oma und Opa krank werden, wenn wir sie besuchen. Deshalb müssen wir jetzt zuhause bleiben." Wenn ihr dann noch regelmäßig mit den Großeltern telefoniert, weiß das Kind zwar, dass ihr euch Sorgen macht, ist aber beruhigt zu hören, dass es Oma & Opa gut geht.

Was Specht außerdem betont, ist dass man sich auch als Elternteil den Druck rausnehmen sollte. Man muss jetzt nicht allen Anforderungen gerecht werden.

Das ganze Interview von Antenne Steiermark Reporter Markus Terrant und Kinder- & Jugendpsychologin Lilli Specht gibts hier zum Nachhören. 👇

Lilli Specht mit ihren Söhnen Fabio und Filip