Fake PKW-Fahrverbot

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Jetzt gibt es ein Bekennerschreiben

Bekennerschreiben zu Autoverbot in Graz


Am Mittwochmorgen (29.7.) sorgte ein vermeintliches Flugblatt der Stadt Graz für Aufregung.
Das Flugblatt, das unter die Scheibenwischer geklemmt wurde, kündigte ein Fahrverbot in der Innenstadt an.

Laut dem Flugblatt soll es neue Maßnahmen zur Beschränkung des motorisierten Verkehrs in der Innenstadt geben. Ab Oktober 2020 sollen keine SUV-Fahrer mehr in der Innenstadt fahren und ab Mai 2021 soll das für alle PKW-Fahrer gelten.

Alles fake


Auf dem täuschend echten Flugblatt wird man auf eine Seite für weitere Informationen verwiesen.

Genauso fake wie das Flugblatt ist auch die Homepage. Die Stadt Graz und die Polizei warnen ausdrücklich davor diese Internetseite zu besuchen oder den QR-Code auf dem Flugblatt zu scannen. Es besteht der Verdacht, dass es sich dabei um Betrug und den Versuch, persönliche Daten auf kriminelle Weise zu ergaunern, handelt. Laut dem Büro von Bürgermeister Siegfried Nagl heißt es, dass der Fall bereits zur Anzeige gebracht wurde.

Bekennerschreiben aufgetaucht

Jetzt ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht, kriminelle Absichten sollen demnach nicht dahinterstecken. Dahinter steckt eine Gruppe von Klimaaktivisten! Unter dem Titel "For a better Graz" wollten sie mit der Aktion nur "anecken, Diskussionen anregen und aufzeigen, wie die Welt aussehen könnte, in der wir leben".

Die Polizei und die Stadt Graz IT-Experten versuchen weiterhin herauszubekommen, wer hinter der Aktion steckt. Die Aktivisten würden hingegen lieber über die Inhalte der Aktion reden und zeigen sich "enttäuscht" von der städtischen Reaktion und der "aggressiven Betrugsrhetorik". Damit wolle die Stadt nur vom eigenen Versagen in der Klimapolitik ablenken, heißt es.


Hier ist das Bekenner*innenschreiben:

Wir, eine Gruppe von Menschen, die sich der Klimagerechtigkeitsbewegung zugehörig fühlen, haben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mehrere tausend Flyer an Pkws in Graz angebracht. Auf ihnen wurden Menschen über eine scheinbare, radikale Verkehrswende informiert, die schon diesen Herbst starten sollte. In liebevollem Detail konnte auf einer verlinkten Website nachgelesen werden, wie die Stadt Graz bald aussehen würde. Es war die Rede von einer autofreien Stadt, angefangen mit der Befreiung von SUVs, kostenlosen Bikesharing-Knotenpunkten und einem besser ausgebauten öffentlichen Nahverkehr.

Diese Flyer sind ein Fake. Alle beschriebenen Vorhaben sind frei erfunden. Tatsächlich könnten sie von der Wahrheit nicht weiter entfernt sein, denn Mobilität in Graz stinkt wörtlich zum Himmel. Der Alltag wird geprägt von Lärm, Abgasen und einer völlig unverhältnismäßigen Platzaufteilung für die Automobilität. „Vor allem SUVs - das ins Gesicht spucken aller von der Klimakrise betroffenen Menschen auf vier Rädern - zeigt die momentane katastrophale Trendentwicklung wie nichts anderes“ sagt ein*e an der Aktion beteiligt*e Aktivist*in.

Unsere Aktion will anecken, Diskussionen anregen und aufzeigen, wie die Welt aussehen könnte, in der wir leben. Wir sind überwältigt von der unglaublichen Anzahl an positiven Rückmeldungen im Netz und sind glücklich und dankbar diesen Rückhalt in der Bevölkerung für eine sofortige radikale Verkehrswende sichtbar gemacht zu haben.

Enttäuscht sind wir von der Reaktion der Stadt Graz. Mit ihrer aggressiven Betrugsrhetorik schiffen sie elegant an den angestoßenen Inhalten vorbei und versuchen zudem, Angst bei den Bürger*innen zu verbreiten. Währenddessen planen sie gemütlich im Hinterzimmer den Autotunnel an der Josef-Huber-Gasse und gießen damit ganz nebenbei das nächste wahnsinnige fossile Infrastrukturprojekt in Beton.

Die Website war als reines Informationsmedium gedacht und wurde nicht verwendet, um personenbezogene Daten zu sammeln. Ebenso sind die Mails, welche mithilfe des Kontaktformulars verschickt wurden, lediglich an E-Mail-Adressen der Stadt Graz gesendet worden (Im Detail an Bürgermeister Nagl und die Verkehrsplanung der Stadt Graz). Damit wollten wir den Bürger*innen die Möglichkeit geben, den Verantwortlichen ihre Meinung zu sagen.

Die Reaktion offizieller Stellen hat uns gezeigt, dass uns niemand eine klimagerechte Welt schenken wird. Wir als Zivilgesellschaft müssen sie uns gemeinsam erkämpfen!

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