Er hat eine Lawine überlebt

Wie er mit dieser Erfahrung umgeht

Lawinen - Gefährliche Schneemassen: Immer öfter werden Lawinen von Skifahrern, Snowboardern, Wanderern oder Tourengehern ausgelöst. Für sicheren Winterspaß sollte jeder die Warnhinweise auf den Pisten und Bergen ernst nehmen und beachten.

Steiermark Reporter Markus Terrant hat mit einem Lawinenopfer über dessen Erfahrung gesprochen: Dietmar Scherjau. Er war im März 2006 am Präbichl unterwegs und wurde gemeinsam mit zwei Freunden von einer Lawine mitgerissen – er ist der Einzige, der überlebt hat. 

Dietmar erzählt im Interview von seiner tragischen Erfahrung und wie er heute damit umgeht:


Wie verhalte ich mich während eines Lawinenabgangs?

  1. Wenn sich ein Schneebrett löst und ins Rutschen kommt, dann solltest du zuerst deine Skistöcke wegwerfen. Sie könnten dich in die Tiefe ziehen oder schwer verletzen.

  2. Du solltest versuchen, dich auf den Skiern bzw. dem Snowboard zu halten und die Lawinenbahn seitlich zu verlassen.

  3. Kommst du zu Sturz, solltest du versuchen dich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche der Lawine zu halten.

  4. Wird die Lawine langsamer, solltest du das Gesicht mit den Händen bedecken, damit eine Atemhöhle entsteht. Sonst droht Erstickung durch den Schnee. 

Das ist zumindest die Sicherheitstheorie. In der Praxis gelingt es allerdings nur wenigen, die Verhaltensregeln anzuwenden. Oft ist die Wucht der Lawine einfach zu groß, um kontrollierte Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen.

Retter haben nach einer Lawine 15 Minuten Zeit

92 Prozent der Verschütteten sind nach einer Viertelstunde noch am Leben, dann fällt die Kurve steil ab. Nach 35 Minuten sind bereits rund 70 Prozent tot. Zwischen 35 und 90 Minuten nach dem Lawinenabgang bleibt die Überlebenschance mit rund 27 Prozent relativ konstant. Das lässt sich damit erklären, dass diese Opfer noch einige Zeit in einer Lufthöhle überleben. Nach 130 Minuten leben nur noch drei Prozent.

Lawinenschnee ist hart wie Beton

Je länger die Lawine im Stillstand ist, desto mehr sackt der Schnee zusammen. Lawinenforscher vergleichen die Dichte des Materials mit jenem von Beton. Schon in 30 Zentimetern Tiefe bedeutet das für Verschüttete: Sie müssen völlig bewegungslos verharren, können buchstäblich nicht mal mehr einen kleinen Finger krümmen - mit dramatischen Folgen für die Atmung.

Sicher durch den Schnee - Ausrüstung für Wintersportler 

Es  ist von Vorteil, wenn du ein Lawinensuchgerät - "Piepserl" bei dir  trägst. Dein Smartphone kann dir auch gute Dienste erweisen, da es, wie  das "Piepserl" mit GPS ausgestattet ist. Tourengeher sollen auch immer einen Erste-Hilfe-Kasten und eine Schaufel im Gepäck haben. 


Wie entstehen Lawinen?

Wenn die Luft- und die Bodentemperatur deutlich unterschiedlich sind, werden die Strukturen der Schneekristalle aufgebrochen. Sie verwandeln sich in feste Körner, die  dann säulenförmig anwachsen. 

Danach verschmelzen mehrere dieser  Kristallsäulen zu einer glatten, zerbrechlichen Schicht. Erschütterungen  oder auch Druck durch neuen Schnee können diese eisigen Massen zum Rutschen bringen. Die Schneemassen erreichen in nur wenigen Sekunden eine Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde. 

Welche Lawinenarten gibt es?

Schneebrettlawinen
Hier rutscht der Neuschnee auf der glatten oder instabilen Unterschneeschicht ab. Dieser Lawinentyp wird oft durch Erschütterungen oder auch durch Skifahrer ausgelöst. 

Lockerschneelawinen
Eine kleine Menge an Schnee löst sich und reißt dadurch immer mehr Schnee mit. 

Fließlawinen
Sie entsteihen meist im Frühling. wenn der Schnee schmilzt und abrutscht. Diese Lawinen sind besonders gefährlich, der nasse Schnee hat ein enormes Gewicht, dadurch reißen sie alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. 

Was bedeuten die verschiedenen Lawinen Warnstufen?


STUFE 1 – GERINGE GEFAHR

Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Eine  Lawinenauslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung (z.B. Skifahrergruppe ohne Abstände) an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Allgemein sichere  Tourenverhältnisse.

STUFE 2 – MÄSSIGE GEFAHr

Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen (steiler als 30°) nur mäßig, ansonsten allgemein gut verfestigt. Auslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung (z.B. Skifahrergruppe ohne Abstände) vor allem in den angegebenen Steilhängen möglich. Unter Berücksichtigung lokaler Gefahrenstellen günstige Tourenverhältnisse. Verzicht auf extrem steile Hänge mit mehr als 39°.

STUFE 3 – ERHEBLICHE GEFAHR

Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen (steiler als 30°) mäßig bis schwach verfestigt. Auslösung von Lawinen ist schon bei einzelnen Skifahrern möglich. Skitouren erfordern lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. Tourenmöglichkeiten eingeschränkt. Verzicht auf Hänge mit mehr als 34° Neigung und felsdurchsetztes Gelände.

STUFE 4 – GROSSE GEFAHr

Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt, eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung (z.B. durch  einzelne Skifahrer) an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich.

Es  sind auch spontan (ohne menschliches Zutun) viele mittlere, aber große Lawinen zu erwarten. 

STUFE 5 – SEHR GROSSE GEFAHr

Diese  Warnstufe wird generell sehr selten ausgerufen. Trotzdem ist diese  Warnstufe zurzeit in Teilen von Tirol ausgerufen. Die Schneedecke ist dort schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind zahlreiche, große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten.

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