Drogenlenker als große Gefahr

APA / Roland Schlager

Unterschätztes Risiko im Straßenverkehr

Neue Informationskampagne zeigt Gefahren auf

Das Fahren unter Drogeneinfluss ist ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem auf Österreichs Straßen, bilanzieren Innenminister Herbert Kickl sowie Infrastrukturminister Norbert Hofer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Eine neue Informationskampagne sowie der verstärkte Einsatz von Drogenvortestgeräten sollen in Zukunft Verkehrsunfälle reduzieren. Als Testimonial fungieren unter anderem Dompfarrer Toni Faber und die Ex-Skirennläuferin Nicole Hosp

Hohe Dunkelziffer

2.192 Fahrzeuglenker wurden im Jahr 2017 in Österreich aufgrund von Suchtgift am Steuer angezeigt. „Der Wissensstand über die Verbreitung, das Gefahrenpotenzial und die Unfallrelevanz von Fahrten unter Drogeneinfluss ist weit weniger erforscht als dies z.B. beim Alkohol der Fall ist. Hier gibt es Aufholbedarf. Ein ganzheitlicher Ansatz muss geschaffen werden“, so KFV-Direktor Thann. 

Dass die Gefahr, die von Drogen im Straßenverkehr ausgeht stark unterschätzt wird, zeigt eine Dunkelfeldstudie des KFV: Hochgerechnet rund 177.000 Menschen österreichweit gaben dabei an, dass sie in den letzten 12 Monaten ein KFZ gelenkt haben, obwohl sie (noch) unter Drogeneinfluss standen.

Drogenlenker vor allem männlich

Analysen zeigen, dass vor allem junge, männliche Lenker überproportional oft als Drogenlenker im Straßenverkehr unterwegs sind. Genau bei dieser Zielgruppe setzt die neue Kampagne mit Schwerpunkt auf Social Media des BMVIT an, so Infrastrukturminister Hofer. Für die Konzeption und Umsetzung der Verkehrssicherheitskampagne stellt das Verkehrsministerium Mittel des österreichischen Verkehrssicherheitsfonds zu Verfügung.

Foto: BMVIT

Bewusstseinsbildung wichtig

„Das Bewusstsein, dass das Lenken eines Kraftfahrzeugs unter Drogeneinfluss nicht nur verboten ist, sondern eine häufig unterschätzte Gefahr für sich selbst und alle übrigen Verkehrsteilnehmer darstellt, muss in Zukunft verstärkt geschaffen werden. Intensive Aufklärungsarbeit sowie Bewusstseinsbildung sind hierbei besonders wichtig“, betont Infrastrukturminister Norbert Hofer. 

Drogen im Straßenverkehr - speicheltest

Seit dem 10. März 2017 gilt die Speichelvortestgeräteverordnung des BMI. Drogen am Steuer können somit durch ein neues Vortestgerät erfasst werden. Dieses analysiert anhand von Speicheltests chemische Drogenhauptgruppen, darunter Opiate, Kokain, Methamphetamine oder Amphetamine. Ist der Speicheltest positiv, hat ein Amtsarzt die Beeinträchtigung festzustellen. Seitens des Innenministeriums wurde jedem Bundesland ein Gerät zur Verfügung gestellt. Die Polizisten sind mit dem Umgang für diese Drogentestung speziell geschult.

Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass rund 4 Prozent der Lenker in Europa am Straßenverkehr teilnehmen, nachdem sie Drogen oder Medikamente eingenommen haben. In Österreich lag die Zahl der Entzüge aufgrund von Suchtgiftbeeinträchtigung in den Jahren 2010-2014 bei weniger als 1.000 pro Jahr, während die Zahl der Entzüge aufgrund eines Alkoholdelikts das 20-fache oder mehr betrug.

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