Dom des Waldes auf der Hebalm

Lost Places in der Steiermark

Lost Place - Hebalm


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s zum Dom des Waldes auf der Hebalm. 

Ein scheinbar ewig langer Holzsteg, riesige Tore aus Holz und rundherum Wald: Wer unvorbereitet auf der Hebalm über dieses Kunstwerk stolpert, wird sich wundern. Um es zu verstehen, bedarf es ein wenig Vorbereitung. Also: Der 1999 errichtete Dom des Waldes ist ein Werk der Künstler Anne und Peter Knoll, die im oststeirischen Pischelsdorf leben. Zum Dom des Waldes hat sie ein Zitat von Peter Rosegger (1843 – 1918) inspiriert: „Der Dom kann nicht zum Wald werden, aber der Wald zum Dom.“ Als Beispiel nannte der Heimatdichter den Dom von Mailand mit seinen vielen Türmchen und Spitzen, der ihn auf seiner Italienreise 1872 besonders beeindruckt, aber gleichzeitig an den heimischen Wald erinnert hatte. 

Rosegger lieferte damit Anne und Peter Knoll die Steilvorlage für ihr Land-Art-Projekt: Sie machten ein nur wenige Gehminuten vom Helbalmsee entferntes Waldstück in 1400 Meter Seehöhe zum Dom. Ein begehbarer Holzsteg zeichnet zwischen Fichten, die mittlerweile rund 100 Jahre alt sind, den exakten Umriss des 11.700 Quadratmeter großen Doms von Mailand nach. Zur „Ökotektur“, wie die Künstler ihr Werk nennen, gehören außerdem die fünf Portale des Gotteshauses, vereinfacht in Lärchenholz ausgeführt, aber in der Größe dem Original entsprechend. Das Haupttor ist zehn Meter hoch! Zentrum des grünen Doms ist ein Felsblock mit einer kleinen Bühne und Sitzbänken, alle aus Holz gezimmert. Hier fanden Konzerte im Rahmen des Kulturfestivals styriarte statt und Lesungen mit der deutschen Schauspielerin Anja Kruse sowie Oscar-Preisträger Maximilian Schell.


Ende der 2010er-Jahre wurde es ruhig im Dom des Waldes. Die Holzkonstruktion war morsch geworden, der Steg musste gesperrt werden – Land-Art als Lost Place. Mittlerweile schaut’s wieder besser aus: Die steirische Gemeinde Hirschegg-Pack und die Kärntner Gemeinde Preitenegg – der Dom des Waldes liegt zu zwei Drittel auf der steirischen und zu einem Drittel auf der Kärntner Seite der Hebalm – erneuerten 2020 den Pachtvertrag mit dem Grundbesitzer, dem Souveränen Malteser Ritterorden. Der lokale Verein „Wista-Diwa“ renovierte mit Unterstützung der Kommunen und finanziellen Mitteln der EU den Holzsteg, die Tore und die Sitzbänke, auf denen nun wieder bis zu 250 Personen gefahrlos Platz nehmen können. Man plant, dem Dom des Waldes mit Veranstaltungen neues Leben einzuhauchen. 

Ausgangspunkt des kurzen Spaziergangs zum frei zugänglichen Dom des Waldes ist der Parkplatz beim Hebalmsee. Er liegt direkt auf der Landesgrenze zwischen der Steiermark und Kärnten an der Hebalm-Straße (in der Steiermark ist das die Landesstraße 606, in Kärnten die Landesstraße 136).




Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren und in den Büchern der beiden:

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