Corona-Schutz-Impfung

KAV

Das sagt der Infektiologe dazu

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch ist wahrscheinlich nicht nur einer der bekanntesten Infektiologen Österreichs, sondern der ganzen Welt. Er hat vor einigen Jahren in der Steiermark gearbeitet, jetzt ist er für das Kaiser-Franz-Josef Spital in Wien tätig. Seit dem Ausbruch der Coronapandemie in Österreich, beschäftigt er sich tagtäglich mit dem Virus, Erkrankten und Impfstoffen. Er war auch einer der ersten Österreicher, die sich impfen haben lassen. Erst vor kurzem hat er die zweite Dosis vom Impfstoff von Biontech/Pfizer bekommen. 

Foto geht viral

Als sich Wenisch die erste Impfdosis geholt hat, ist dieses Foto entstanden, das um die Welt gegangen ist. Er bekommt die Impfung und streckt die Faust in die Höhe. Sogar die New York Times hat dieses Foto bei ihrer Berichterstattung verwendet.



(c) APA/GEORGES SCHNEIDER

seine Einblicke in die Corona-Impfung

"Die Reaktion auf den zweiten Schuss war heftiger, ich spürte eine starke Müdigkeit. Aber auch das war am nächsten Tag vorbei und ist auch nichts, was uns wundern soll."

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch


"Wir forschen schon seit gut 17 Jahren"

Für viele ist die Entwicklung und die Erforschung des Impfstoffs viel zu schnell gegangen. Auch, dass es ein "mRNA"-Impfstoff ist, ist für einige zu neu. Die Skepsis ist deshalb groß. Wenisch sieht das aber ganz anders. 

2003 hat es schon Sars-Cov-1 in Kanada und Hongkong gegeben. Seitdem wird geforscht. Deshalb können wir froh sein, so schnell schon eine Impfung zu haben. Wenn wir zurückrechnen, mit 17 Jahren Forschung ist das gar nicht mehr so sensationell.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch

Der Impfstoff war damals nur nie notwendig, weil das Virus mutiert ist. Damals zu einer Variante, die sich schwerer übertragen lässt.


Die Qualität des Impfstoffs

Aus rein medizinischer Sicht ist das Problem "Covid-19" mit dem Impfstoff gelöst. "Es hat noch selten eine so gute Impfung gegeben. Jetzt liegt es an uns, diese Lösung allen Menschen zur Verfügung zu stellen", sagt Wenisch. 


Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca - Welcher Impfstoff ist der beste?

Für Wenisch gibt es da eine klare Antwort: "Den jeder als erstes bekommt."

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna haben eine Wirkung von über 90 Prozent. Das sind mRNA-Impfstoffe. Da wird dem Köprer quasi der Bauplan vom Coronavirus gegeben – und so kommen Antikörper zustande. 

Der von AstraZeneca ist ein Vektorimpfstoff. Der gaukelt uns ganz einfach gesagt eine Infektion vor und bildet so Antikörper. Der hat eine Wirkung von 70 Prozent

Ob 70 oder pber 90 Prozent ist für Wenisch aber nicht die wichtigste Frage. In erster Linie geht es jetzt während der Pandemie darum, dass jeder schnellstmöglich geimpft wird. Das sei der wichtigste Punkt. 

Medizinisch gesehen gibts aber schon Unterschiede: "Für 18- bis 55-Jährige ist der Impfstoff von Astrazeneca perfekt, also für die breite Bevölkerung. Für die vulnerable Gruppe, Menschen in Altenheimen, ältere Menschen machen mRNA-Impfstoffe besser", sagt Wenisch. 


Reihenfolge für Coronaimpfung

Der Impfplan der Steiermark

Phase 1 - Jänner/Februar

Phase 2 - überlappend mit Phase 1 bis Ende April

Phase 3 - ab April 2021

Der Österreicher drängelt halt gerne und schreit sofort: 'Zweite Kasse bitte!'. Tun wir nicht streiten, wer Erster oder Zweiter bei der Impfung ist .

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch

Wenisch steht voll und ganz hinter dieser Reihung. Es sein kein Zufall, warum manche Personen- und Berufsgruppen vor anderen drankommen. Er betont sogar, dass jeder einen Vorteil hat, wenn sich ältere Menschen zuerst impfen lassen: "Weil sie dann nicht ins Krankenhaus kommen, weil sie nicht daran sterben. Wir, die dieser Gruppe nicht angehören, haben den Vorteil, dass die Regierung diese Gruppe nicht mehr extra schützen muss. Lockdownmäßig wird es dann leichter."


Wirkt die Impfung gegen die neuen Mutationen?

Mittlerweile ist ja auch die britische Coronavirusmutation bei uns in Österreich und der Steiermark angekommen. Für die Impfung ändert das aber nicht. Der Impfstoff ist auch gegen diese Mutationen effektiv.


Das Ende der Pandemie

"Sobald es warm wird und die Impfstoffe schnell kommen, wird sich vieles bessern. Dann werd ma unser positives Wunder noch erleben", sagt Christoph Wenisch. Wichtig dabei ist aber, dass viele Menschen geschützt sind. Sobald jeder Coronafall nachzuverfolgen ist, sei in seinen Augen die Pandemie besiegt. Dafür würde es aber wohl 70 Prozent an Geschützten in der Bevölkerung brauchen. Er sagt aber auch: "Es ist nie ganz vorbei, weil sich Sars ständig verändert. Die mutierten Coronaviren haben Gefallen ans uns gefunden. Das wird nicht mehr weggehen. Ein Restrisiko bleibt immer." Von einer Pandemie sollten wir dann aber weit entfernt sein.


Was können Österreich und die Steiermark aus der Pandemie lernen?

Für Wenisch gibts Licht am Ende des Tunnels. Für die Zukunft sollten sich aber einige Dinge ändern: "Wir brauchen eine Struktur wie in Deutschland mit dem Robert-Koch-Institut und den Behandlungszentren. Auch auf Landesebene muss es ein Infektionsnetzwerk geben, das sich um Hygiene und Infektionen kümmert und auf Knopfdruck aktiviert werden kann. Und man muss mehr Spitalsbetten umwidmen, in denen Infektionspatienten längerfristig und nachhaltig zu betreuen sind." 

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