Baba, Otto-Katalog

OTTO

Letzte Ausgabe in Nürnberg gedruckt

Eine Ära geht zu Ende

Am 4. Dezember erscheint der letzte gedruckte Katalog des Versandhausriesen - In Spitzenzeiten in zweistelligen Millionenauflagen. Der Aufwand für die Produktion und die Verteilung des Katalogs lohne sich nicht mehr, hatte ein Sprecher gesagt. "Entsprechend sagen wir jetzt "tschüss"", hieß es vom Otto-Versand. 

"Ich bin dann mal App!"

Auf dem Titelblatt demonstriert ein Model, warum es keine Zukunft gibt für den klassischen Versandhauskatalog: Ihr Gesicht ist in den Monitor eines Smartphones gefasst - darunter eine Sprechblase mit dem Satz: "Ich bin dann mal App!" 

Foto: Otto

70 Prozent der Otto-Kunden bestellen per Mobilgerät 

"Unsere Kunden haben den Katalog selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen", sagt Marc Opelt, Chef der Einzelgesellschaft Otto, des früheren Otto-Versands. Die Otto-Kataloge gehörten ebenso wie die Druckwerke der Konkurrenten Neckermann und Quelle über Jahrzehnte zum Alltagsleben in Deutschland. Sie erschienen in Spitzenzeiten bis zu vier Mal jährlich, umfassten mehr als 1.000 Seiten und wurden in zweistelligen Millionenauflagen gedruckt. 

Otto ist der einzige große Versandhändler, der den Sprung von der Katalog-Ära ins digitale Zeitalter geschafft hat. Künftig will Otto in unregelmäßigen Abständen kleinere Spezialkataloge zu Sonderthemen wie Technik oder Garten und kleinere Modekataloge herausbringen. 


Zeitreise

Werner Otto erschien als Flüchtling erst nach dem Krieg auf der Hamburger Bühne und startete vor 70 Jahren mit einem legendären Katalog mit handgeklebten Fotos, der auf 14 Seiten 28 Paar Schuhe zeigte. Auflage: 300 Exemplare. In der Spitze um die Jahrtausendwende waren es mehr als 1000 Seiten in einer Auflage von zehn Millionen Stück.

In den Otto-Katalogen der 1950er und 1960er Jahre präsentierten rauchende Männer mit Pfeifen oder Zigaretten und einem Drink in der Hand ihre Hemden, Hosen und Sakkos. Die Models hießen noch Mannequins und Kinderkleidung und Damenwäsche wurden nicht fotografiert, sondern gezeichnet.

Der Otto-Katalog spiegelte nicht nur Trends wider, sondern setzte sie auch - so hatten schicke und moderne Frauen und Männer auszusehen. "In der DDR war der Katalog eine begehrte Schmuggelware", berichtet Frank Surholt von Otto. "Die Frauen haben die Kleidung nachgeschneidert." Und intern rangelten die Produktmanager um Farbseiten und eine gute Platzierung ihrer Artikel - am besten auf dem rückwärtigen Einband des Katalogs. Damit ließen sich Verkäufe vervielfachen.

Der Katalog wurde moderner: Erst kamen ab den 1980er Jahren prominente Models auf den Titel - Claudia Schiffer, Giselle Bündchen, Eva Padberg und andere. Allein Heidi Klum war viermal dabei. Aber auch das lief sich schon vor mehr als zehn Jahren langsam tot. Mit Beginn der Digitalisierung kamen technische Innovationen wie eine dem Katalog beigelegte CD-ROM, um vor allem die Damenmode besser präsentieren zu können. Otto legte schon damals die Grundlage für ein Überleben in der digitalen Welt.

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