Aus für den Life Ball

Jürgen_Hammerschmid

Letzter Life Ball findet im Juni statt

Event findet im Juni zum letzten Mal statt 

Organisator Gery Keszler verkündete am Freitag offiziell das Aus des Charity-Events. Fehlende Gelder lassen die Veranstaltung nicht mehr finanzieren. Für das Event, das in diesem Jahr ein Zirkusszenario bieten möchte, fällt nun der letzte Vorhang.

Veranstaltung nicht mehr finanzierbar

Es sei es in letzter Zeit immer schwieriger geworden, Sponsoren und Spender für den Ball gewinnen zu können, sagte Keszler. "Das Bewusstsein ist heute einfach ein anderes. Dem tragen wir nun auch Rechnung." 26 Jahre nach dem ersten Life Ball sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen. "Die Rahmenbedingungen und Umstände haben sich über die letzten Jahre sehr verändert", sagte Keszler.

"Im Kampf gegen Aids haben wir viel erreicht. Aids hat sich von einem Todesurteil zu einer chronischen Krankheit gewandelt. Durch diesen Erfolg ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Zahl der Verbündeten für Aids-Hilfsprojekte international und national abnimmt." Große Herausforderungen gäbe es dennoch - vor allem in Afrika: "Wir werden mit dem Reingewinn des 26. Life Ball unsere Energie jenen Regionen widmen, wo das Problem noch immer akut ist und wir Leben retten können. In Österreich wird von den Organisationen und der öffentlichen Hand hervorragende Arbeit geleistet. Daher wird es Verständnis für unsere Entscheidung geben, dass wir in der Unterstützung heuer auf internationale Projekte fokussieren."


Vom "schwulen Aufschrei" zum Mega-Event 

Seit 1992 hat das Team rund um Gery Keszler auf dem Life Ball Spenden in Millionenhöhe für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids gesammelt. 

Gemeinsam mit seinem Freund Torgom Petrosian gründete Gery Keszler 1992 den Verein Aids Life. Nachdem Petrosian an Aids erkrankt war, beschlossen seine Freunde, in Österreich einen Charity-Event zu organisieren. Der Life Ball war geboren. Petrosian sollte aber nur den ersten Life Ball erleben.

Dieser ging am 29. Mai 1993 über die Bühne. Für das Event brachte Gery Keszler, der früher als Visagist tätig war, Stardesigner Thierry Mugler nach Wien. Der damalige Bürgermeister Helmut Zilk ermöglichte es, dass die Aids-Benefizgala im Rathaus stattfinden kann. Der Life Ball ist somit die einzige Veranstaltung zugunsten von Aids-Organisationen, die in einem "politischen" Gebäude stattfindet. Schon damals konnte sich die Gästeliste sehen lassen: Helena Christensen und Vivienne Westwood waren ebenso gekommen wie heimische Prominente, zum Beispiel Chris Lohner und Alfons Haider. "Am Anfang war der Life Ball wirklich ein schwuler Aufschrei", erinnerte sich Haider.

Aufgrund des großen Erfolges des ersten Life Balls und der enormen Nachfrage beschlossen die Organisatoren rund um Keszler 1994 eine "Wiederholung". Danach war der Hype nicht mehr aufzuhalten. Karten für das Fest waren binnen Minuten vergriffen, die Spendensummen wurden immer höher. 

2015 war der vielleicht persönlichste Ball von Organisator Gery Keszler. Völlig unerwartet berichtete Keszler bei seiner Rede davon, sich selbst in Australien in seinen 20ern mit dem HIV-Virus infiziert zu haben. "Ich war einer der ersten in Österreich, der sich mit Aids infiziert hat", sagte er.

Danach gab Keszler bekannt, dass der Ball 2016 nicht stattfinden würde, um sich "neu zu erfinden". 2017 fand die Neuauflage statt und ist um ein Side-Event reicher. Erstmals gab es ein Event für Jugendliche im Wiener Rathaus. Am Tag nach der traditionellen Veranstaltung fand die Premiere des "Life Ball Next Generation" statt.

Zwei Jahre später ist Schluss. Im Vorfeld des 26. Life Balls gab der Organisator das Aus des Charity-Events bekannt.