Angeblicher Doppelgänger

Geballte Ausreden bei Prozess in Graz

Eigenartige Aussagen


„Bei ihm zeigen sich starke Bagatellisierungsversuche“, so hat der Gutachter den Angeklagten beschrieben, dem schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung, Betrug und Sachbeschädigung vorgeworfen werden. „Zu keinem Punkt bin ich schuldig“, entgegnet der 22-jährige Weststeirer.

Was bisher geschah: Grundlos hat der 22-Jährige einem Fahrgast der GKB die Nase blutig geschlagen. Er meint allerdings, dass der Angriff von dem Fahrgast ausgegangen ist. Er soll ihn gerüttelt und geschüttelt haben und spricht von einer Reflexhandlung. „Eigentlich hat der Mann sich selbst geschlagen“, so der Angeklagte. Auch ein Einkommen hat der Weststeirer nicht. „Ich lebe eigentlich von Mama und Papa.“ Und trotz Geldmangels, ist er mit einem Taxi zurück in die Weststeiermark gefahren. Auf die Frage der Richterin Michaela Lapanje „Warum fahren Sie mit dem Taxi, wenn sie finanziell flach wie eine Flunder sind?“ antwortete er: „Das Geldtascherl wurde mir vorher gestohlen. Und das ist außerdem nicht mein Taxifahrer. Den anderen hat ja meine Oma bezahlt – was eigentlich bedeutet, dass ich ihn bezahlte.“

Ein Doppelgänger und Suchtmittelkonsum

Kurze Zeit später hat er wieder etwas angestellt: Er hat am Grazer Hauptplatz eine Tür mit massiver Gewalteinwendung einfach demoliert. Dazu äußert er sich mit: „Ich war ja drinnen eingesperrt, wollte nur meinen Paprika aus dem Bio-Müll verzehren. Schuld war nur die etwas höhere Druckeinwirkung beim zweiten Versuch, die Türe zu öffnen. Oder es gibt eine Spannung in der Hausmauer.“ Die Richterin bezweifelt die Aussagen des Angeklagten mit den Worten „Sind Sie Sachverständiger?“ und bittet ihn zwischendurch auch die Märchenstunde zu beenden. 

Es geht noch weiter: Der Angeklagte, der auch Suchtmittel konsumiert, leugnet ebenso zwei Damen bedroht zu haben. Er soll zu ihnen gesagt haben, dass er sie abschießt, weil sie ihm kein Geld „schnorren“ wollten. Auch soll er während einer Anmache eine Frau bedroht haben, aber dazu meint er nur: „Ich? Nein! Es gibt da einen Doppelgänger.“ Ob er ein Date erhalten hat? Nein, mit einem Salzstangerl quer in der Schutzmaske, war der Baggerversuch zum Scheitern verurteilt.

Den Abschluss macht die Richterin mit den Worten: „Es ist total gelogen, was Sie hier erzählt haben.“ Er bekommt sieben Monate bedingte Haft und dazu die Weisung zu einer Therapie für Entwöhnungsbedürftige. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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