Alkohol im Oktober

Richter Wlasak über unschöne Erfahrungen

Oktober ist der Monat der Feste in der Steiermark

Oktoberfeste, Weinlesefeste, Kastanien und Sturm laden die Steirerinnen und Steirer zum Feiern ein. Da wird ganz schön was getankt. So lustig das Feiern auch ist – leider passiern durch den Alkohol auch jede Menge unschöne Dinge.

Helmut Wlasak ist Richter am Grazer Straflandesgericht, er klärt jährlich 5000 bis 6000 Schüler über Alkohol und seine Folgen auf. Uns erzählt er im Interview von seinen Erfahrungen zum Thema Alkohol. 

Seine Haltung gegenüber Alkohol

Grundsätzlich hat der Richter nichts gegen Weinfestln und Co. Leider artet es immer wieder aus und der Alkohol steht plötzlich im Mittelpunkt der Gesellschaft. Er selbst kann das Wort "Alkohol" bald nicht mehr hören "Wenn ich das Wort höre, wird mir schlecht", denn er verbindet damit unmittelbar Kleinkriminalitätsakten. 60-70% dieser Akten könnten wir uns ersparen, wenn es keinen Alkohol geben würde. Darunter fällt insbesondere "Gewalt in der Familie", gewaltsame Vorfälle in Gaststuben, aber auch viele Unfälle auf den Straßen. Viele Menschen sehen sich erst mit den Konsequenzen konfrontiert, wenn es bereits zu spät ist.

 

Richter Helmut Wlasak


kuriose und tragische erfahrungen im bezug zu alkohol

Der Richter war selbst Gendarmeriebeamter und hat deshalb schon einiges erlebt. Anfänglich glaube man, gewisse Situationen sind lustig, bis schließlich etwas ernsthaftes passiert. So auch folgendes Beispiel: In Kroatien übersieht ein alkoholisierter Steirer eine Insel. Es klingt lustig. Und zuerst hatten die Mitfahrer auch noch gelacht – dann aber wurden Personen beim Unglück schwer verletzt. 

Ein besonders tragisches Beispiel: Helmut Wlasak erzählt von einer jungen Frau, die ihrem stark alkoholisierten Freund die Schlüssel weggenommen hatte, damit er nicht mit dem Auto nachhause fährt. Als sie selbst am Weg nachhause war, wird sie von einem Auto überfahren und stirbt. Der Lenker: stark alkoholisiert. 

gibt es im oktober mehr vorfälle?

Im Oktober ist am Schreibtisch des Richters immer etwas mehr los. "Das erschreckende ist, dass die Leute inhaltlich einfach nicht gscheiter werden. Leider geht es immer, das ist aktenmäßig belegt, nur um die Sauferei. Und dann passiert eine Blödheit nach der anderen."

Kann das Gesetz etwas ändern?

"Jaein. Ich appeliere in erster Linie auf die Eigenverantwortung. Dass man Menschen dazu bringt, selbst darüber nachzudenken.", so der Richter. Gesetzliche Bestimmungen, besonders im Bezug auf Jugendliche, sind jedoch notwendig und zweckmäßig. 

Was sagen sie den Kindern in Vorträgen?

Er erzählt ihnen aus seinem beruflichen Leben. Ein Satz der immer fällt: "Ihr braucht mir gar nichts glauben. Ich lade euch ein, kommt einen Tag zu mir oder seid einen Vormittag bei einer Verhandlung dabei. Dann erlebt ihr das, was ich euch jetzt erzähle oder gesagt habe. Ihr werdet dann sagen, dass es leider die Wahrheit ist." Leider wird es ihm als Strafrichter nie langweilig werden, weil immer etwas passiert. 

Was sollen Eltern ihren Kindern über Alkohol sagen?

"Man muss Alkohol zum Thema machen. So auch Tabak und gesunde Ernährung. Als verantwortungsvolle Eltern oder Elternteil kann man so einen Weg ebnen." Alleine durch das Gespräch wird man vieles nicht verhindern können, aber eine Aufklärung ist definitiv notwendig. Kinder müssen wissen, dass Alkohol eine Droge ist und der Konsum Folgen hat. 

Was geben sie den Angeklagten mit, wenn diese vor ihnen sitzen?

"Ich habe nur die Tat abzustrafen, mit den Folgen des Lebens und der Straftat müssen sie selbst lernen umzugehen. Ich stelle dann die Frage: »Wie soll es weitergehen?« Die Person muss selbst erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Alkohol ist keine Lösung."

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