ZAMG Meteorologe im Interview

"40 Grad werden neue Normalität sein"

Waldbrände in Urlaubsgebieten, ein Tornado an der österreichischen Grenze, tennisballgroße Hagelkörner...Wir alle bekommen diesen Sommer die Klimaveränderung noch stärker zu spüren, als in den Jahren zuvor! Deshalb haben wir einen Wetterexperten in unser Antenne Kärnten Studio eingeladen, um mit ihm genau über diese Fragen zu sprechen.

Gerhard Hohenwarter: Meteorologe der ZAMG in Klagenfurt


Hier gibt's das gesamte Interview im Antenne Kärnten Podcast zum Nachhören:



Hier sind die wichtigsten Zitate des Gesprächs kurz zusammengefasst:


„Wetter trifft jeden – jeder kann mitreden“
„Einen Satz den ein Meteorologe nicht mehr hören kann ist, im Radio hat er aber gsagt“
„Die Verantwortung ist echt groß – bei Krisenstäben warten die ganzen Beteiligen darauf, was du sagst“
„30.000 Menschen im Klagenfurter Wörtherseestadion und eine Gewitterzelle kommt – was machst du? Räumen und es kommt dann nur ein Lüftchen? Solche Entscheidungen sind hart zu treffen und müssen wohl überlegt sein“
„Wetter-Apps gaukeln eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt. Sie arbeiten sehr viel mit Wahrscheinlichkeit“  
„Ab 30% Niederschlagswahrscheinlichkeit  bekommt man das Symbol Sonne, Wolken, Regen – dh. in 7 von 10 Fällen bleibe ich trocken. Apps sind auf der pessimistischen Seite“
„Wir haben in Kärnten das Glück dass die großen Flüsse gut verbaut sind – das schützt vor schweren Überflutungen“
„Der Sommer wird immer präsenter und länger“
„Der Winter wird immer wärmer“
„Menschen die sagen es gibt keinen Klimawandel haben kein Bewusstsein dafür, was in der Natur abläuft“
„Städte werden weiter überhitzen und wir wissen aus Studien von 2003, von der Hitzewelle – das ist die größte Naturkatastrophe der letzten Jahrzehnte in Europa gewesen, mit den meisten Todesfällen.“
„Die 40 Grad Marke wird in den nächsten Jahren in Kärnten fallen – das wird die neue Normalität werden“



zu folgenden Themen:


Wie erkenne ich Hagel?

Die Hagelwolken sind im Gewitterschleier leicht gelblich oder er zeigt sich durch dicke und schwere Regentropfen.

Wie groß kann er werden?

Die größten Hagelkörner wurden mit 10cm Durchmesser gemessen.

Wie entsteht Hagel?

In der Gewitterwolke bilden sich Niederschlagsteilchen beziehungswiese Schneeflocken, dann sinken sie nach unten und schmelzen. Wenn sie von unten schmelzen und wieder vom Aufwind erfasst werden und hinauf transportiert werden, frieren sie wieder. Je stärker der Aufwind ist, desto länger können diese Hagelkörner verweilen. Wenn diese Körner zu schwer werden und der Aufwind sie nicht mehr oben halten kann, fallen sie runter.

Was macht der Blitz?

Wenn sich ein Gewitter aufbaut, kann es zu Ladungsunterschiede kommen. Der Blitz gleicht die Ladungsunterschiede aus. 

Warum donnert es?

Der Donner entsteht dadurch, dass der Blitz extreme Temperaturunterschiede erzeugt. Diese Temperatur- und Druckunterschiede entladen sich und es knallt. Das ist der Donner.

Was ist ein Wettermodell?

Ein Wettermodell berechnet wie sich das Wetter in Zukunft verändern wird. Es schaut wie sich die Wolken, der Regen und die Temperaturen entwickeln. Das Modell spuckt die Daten in Zahlen oder Karten aus und daraus können Wettermeteorologen das Wetter voraussagen.

Wenn sich ein Hochdruckgebiet ergibt können zum Beispiel Prognosen gemacht werden, die 5 bis 10 Tage in die Zukunft reichen. So kann festgestellt werden, dass es für mehrere Tage andauert. Am schwierigsten sind Wetterumstellungen, wenn das Hoch das Tief ablöst oder umgekehrt.

Wenn sich ein Hochdruckgebiet ergibt können zum Beispiel Prognosen gemacht werden, die 5 bis 10 Tage in die Zukunft reichen. So kann festgestellt werden, dass es für mehrere Tage andauert. Am schwierigsten sind Wetterumstellungen, wenn das Hoch das Tief ablöst oder umgekehrt.

Je großräumiger das Unwetter ist, desto leichter ist es die Wetterprognose zu erstellen. So kann man das Unwetter schon in 3 - 5 Tagen voraussagen. Bei einem kleinräumigen Hagel im Gurktal jedoch, ist es schwierig eine zuverlässige Prognose festzustellen.

Wieso ist es so schwer, Schnee vorherzusagen?

Im Winter sind nur kleine Unterschiede ersichtlich, die entscheiden ob es schneit oder nicht. Daher können Wettermeteorologen sich oft nicht sicher sein, ob es schneien wird.

Wieso gibt es im Sommer Wärmegewitter?

Je stärker die Sonneneinstrahlung ist, desto leichter können sich Regenschauer und Gewitter bilden. 

Wo sind die Gewitter-„Hotspots“ in Kärnten?

Die Choralm, Saualm, die Nockberge, das Gurktal und die Karnischen Alpen an der Grenze zu Italien. Auch Bezirke wie Hermagor, St. Veit und Wolfsberg.


Thema Klimawandel (Was kann ich tun?)


Fleischkonsum reduzieren

Fleischkonsum sorgt dafür, dass viele Ressourcen verbraucht werden. Wenn man Fleischt ist, dann sollte hochqualitatives Fleisch und kein Billigfleisch gekauft werden.

Auf das Auto verzichten

Im alltäglichen Leben sollte mehr darauf geachtet werden, Bewegung einzubauen und auf das Auto zu verzichten. Zum Beispiel kann man auf dem Weg in die Arbeit das Rad, das öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder zu Fuß gehen.

 Weniger kaufen

Wir kaufen viel zu viel, vor allem billige Sachen, die bei der Produktion viel Energie verbrauchen. Auch elektronische Geräte werden immer wieder neu gekauft. Es wäre ratsam, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und weniger zu kaufen.