Wie erkläre ich Kindern Krieg?

Familienpsychologin im Interview

Es sind sehr herausfordernde Zeiten für Familien momentan. Jetzt hat man den Kindern gerade erst erklärt was Corona ist und warum wir machmal die Verwandschaft nicht sehen können. Und dann kommt das nächste: Plötzlich geht es um Krieg

Wie spricht man über die Umstände in der Ukraine mit kleinen Kindern? Wie können die Kinder alles, was gerade passiert, am besten verarbeiten? 

Genau über diese Fragen haben wir mit der Spittaler Familienpsychologin Andrea Egger gesprochen.


Was geht Kindern derzeit durch den Kopf?

Kinder unter 7 Jahren sind momentan sehr verunsichert und haben das große Bedürfnis von Halt und Sicherheit. 

Bei Kindern zwischen 8 und 12 Jahren ist das Gefühl der Hilflosigkeit ein Thema und bei den Jugendlichen ab 13 Jahren ist es so, dass sie sich bereits z.B. über Social Media selbst informieren und austauschen. Und in diesem Alter sind die Themen: wo kommt das her und warum betrifft das uns? Je älter die Kinder werden, umso genau hinterfragen sie also alles. Und umso größer ist der Erklärungsbedarf.

WIE GEHE ICH ALS ELTERNTEIL DAMIT UM?

Ganz besonders wichtig ist: 

… dass man die Gefühle und die Ängste des Kindes ernst nimmt und es nicht versucht zu bagatellisieren.

...dass, wenn das Kind dieses Thema anspricht, wir dann nicht ausweichen oder es unter den Tisch kehren, sondern es ins Gespräch aufnehmen.

...dass man dem Kind z.B. durch Körperkontakt (eine Umarmung oder ein Bussi) ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

… dass man Kinder nicht mit ungefilterten, realen Berichten konfrontiert oder sie z.B. alleine vor dem Fernseher sitzen lässt, sondern die Erklärungen kindgerecht aufbereitet und auf gleicher Augenhöhe mit den Kindern spricht.

… dass man bei kleinen Kindern über Mal- oder Bilderbücher versucht altersgerechte Zugänge dazu zu finden.

... dass man dazwischen auch auf positive Dinge lenkt und z.B. über das Tagesgeschehen spricht: Wie war die Schule? Hat es Spaß gemacht mit deinen Freunden?

…dass man die eigenen Gefühle vor dem Kind nicht verdrängt oder abblockt, sondern sie zulässt und erklärt. Kinder sollen lernen mit Emotionen umzugehen und dass es im Leben nicht nur positive Emotionen gibt. Wichtig ist dabei aber immer die Emotionen zu erklären. Bis zum 10. Lebensjahr beziehen Kinder nämlich alles, was in der näheren Umgebung passiert, auf sich. Wenn Mama und Papa also traurig oder verärgert wirken, denkt das Kind sofort "ich habe etwas falsch gemacht, es liegt an mir, usw." – deswegen ist es sehr wichtig den Kindern zu erklären, warum eine Emotion gerade da ist und dass es mit ihnen nichts zu tun hat.

WIE ERKLÄRT MAN BEGRIFFE WIE "KRIEG"?

Bei Kindern unter 7 Jahren ist der Begriff "Krieg" nicht fassbar – da muss man andere Erklärungen und Wege finden.  

Ein paar Zugänge wären z.B.

In den Erklärungen ist es wichtig weniger im Problem an sich zu bleiben, sondern auf Lösungen hinzuweisen. 

Auch über Geschichten und Literatur kann man versuchen es mit den Kindern quasi über Parabeln und Metaphern zu besprechen.

VERARBEITUNG DURCH MALVORLAGEN

Die Kinder und Jugendanwaltschaft hat tolle Malvorlagen, die man herunterladen kann und die das Thema "Krieg" kindgerecht aufbereiten. Oft ist es für das Kind leichter sich auf diese Weise auszudrücken, vor allem bei Dingen, die man nur schwer in Worte fassen kann.

Die Malvorlagen dann unbedingt gemeinsam mit dem Kind auszeichnen und mit dem Kind darüber sprechen, was es da sieht. Nicht jedes Kind nimmt die Welt gleich wahr und über solche Malvorlagen können Eltern gut herausfiltern: Wie nimmt mein Kind jetzt im Moment die Situation wahr? Und dann sollte man versuchen sich darauf einzulassen. 

 Hier findet ihr die Malvorlage der KiJA:


Hier auch noch ein Überblick der wichtigsten Telefonnummern


Hier kannst du täglich 0 bis 24 Uhr melden, wenn du Hilfe brauchst. Alle aufgelisteten Telefonnummern sind natürlich kostenlos:

Nummer
142Telefonseelsorge
147Rat auf Draht
0664 300 70 07Psychiatrischer Not- und Krisendienst (PNK) für Kärnten | Klinikum Klagenfurt
0664 300 90 03 Psychiatrischer Not- und Krisendienst (PNK) für Kärnten | Landeskrankenhaus Villach

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