Vogelfanganlagen von Montenars

LOST PLACES

Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s zu den Vogelfanganlagen im oberitalienischen Montenars. 

Grundsätzlich erfreut sich die italienische Küche weltweit größter Beliebtheit. Aber es gibt eine Ausnahme: Nicht überall findet man am Verspeisen von Sing- und Zugvögeln Geschmack. In regelmäßigen Abständen protestieren Tierschützer gegen italienische Traditionen wie Rotkelchen am Spieß, um nur eines von vielen Gerichten zu nennen. Rechtlich steht die Jagd auf die Tiere deshalb mittlerweile teilweise auf so dünnen Beinchen wie die gefiederte Beute selbst: Nur mehr zu gewissen Zeiten ist in gewissen Regionen mit gewissen Mitteln die Jagd auf gewisse Vögel erlaubt. Wilderer scheren sich darum allerdings wenig. Schätzungsweise 5 bis 8 Millionen Vögel werden von ihnen jährlich gefangen beziehungsweise einfach vom Himmel geschossen werden.

Die Vogelfanganlagen von Montenars sind schon lange nicht mehr in Betrieb. Sie werden von Grundbesitzern, dem Verein „Pro Montenars“ und der Gemeindeverwaltung als historisches Erbe instandgehalten. Denn das Bergdorf südlich von Gemona galt im Mittelalter als Hochburg der Jagd auf Amsel, Drossel, Fink, Star und Kollege. Allerdings war es das nicht wegen der kulinarischen Vorlieben seiner Bewohner, sondern aus geographischen Gründen: Montenars liegt in 472 m Seehöhe direkt an einer stark frequentieren Zugvogelroute. Hier wurden die Tiere nicht einzeln gefangen, sondern in Scharen.

Die Roccoli – vier in unterschiedlicher Größe existieren noch – befanden sich alle auf dem Bergrücken oberhalb des Ortes. Sie bestanden aus Bäumen und Hecken, die man entweder rund oder oval zu einem Ring angepflanzt hatte und später so zusammenstutzte, dass sie ein möglichst dichtes Geflecht aus Ästen und Blättern bildeten. Abwechselnd am südlichen oder nördlichsten Punkt der Anlage wurde ein Turm errichtet, dann spannte man Netze über den Ring. Die dem Bauwerk gegenüberliegende Seite blieb offen: als Einflugschneise für die Zugvögel. Sie wurden von Artgenossen angelockt, die man in Käfigen in die Anlagen gehängt hatte. Wenn es dann drinnen vor lauter Beute nur mehr so flatterte, schleuderte ein im Turm versteckter menschlicher Vogelfänger eine Raubvogelattrappe möglichst zentriert Richtung Ring. Das versetzte die Zugvögel in Panik, die sich bei ihren Fluchtversuchen sofort in den seitlichen Netzen verhedderten.

Die Roccoli sind – mit ein wenig Durchhaltevermögen – nicht zu verfehlen. Man fährt auf der Hauptstraße (SP34) durch Montenars und dann immer weiter bergwärts, bis linkerhand eine Infotafel und dahinter die erste Vogelfanganlage auftaucht. Der Wanderweg zu den weiteren ist beschildert. In 1,5 bis 2 Stunden lassen sie sich locker alle abgeklappert.


Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren <https://www.facebook.com/geheimnisvolle.unterwelt> und in den Büchern der beiden:

Lost Places in der Steiermark <https://www.styriabooks.at/lost-places-in-der-steiermark>

Vergessen & verdrängt – Dark Places im Alpen-Adria-Raum 

<https://www.styriabooks.at/vergessen-verdraengt>

Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum <https://www.styriabooks.at/vergessene-paradiese>

Verfallen & vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria-Region <https://www.styriabooks.at/verfallen-vergessen>

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