Hexen-Trio steht vor Gericht

kk/FF Rosegg

Die aktuellen Infos zum Prozess

Das war der zweite Prozesstag...


Viel Neues hat es nicht gegeben - aber die Hauptangeklagte ist weiter belastet worden und es sind auch weitere, unglaubliche Details bekannt geworden:

„Ich habe sogar meinen Sohn bestohlen“, hat die drittangeklagte heute unter Tränen vor dem Richter ausgesagt. Ein göttliches Wesen soll durch die Hauptangeklagte gesprochen und ihr mehrmals den Auftrag gegeben haben, Geld aufzutreiben. So habe sie ihr insgesamt 300.000 Euro übergeben. 

Außerdem soll sie gemeinsam mit der Zweitangeklagten auch den Auftrag bekommen haben, den dritten und letzten Brand in Umberg zu legen. „Es muss ein drittes Mal brennen - böse Energien müssen vernichtet werden“, soll die Hauptangeklagte mit verstellter Stimme befohlen haben.  

Manuela Kalser von der Kleinen Zeitung war im Gerichtssaal mit dabei. Ihre Eindrücke hörst du hier.

Das war der erste Prozesstag...


Pünktlich um 9 Uhr hat der Prozess gegen das "Hexen-Trio" am Montag den 13. Jänner begonnen. Zuerst ist die Anklage gegen die Frauen über eine Stunde lang verlesen worden - dann waren die Angeklagten am Wort und mussten ihre Aussagen vor dem Richter machen. Dabei sind unglaubliche Details bekannt geworden:

Die Hauptangeklagte gibt zu, etwas mit den Betrügereien zu tun zu haben - von den Brandstiftungen soll sie gewusst haben, aber in Auftrag gegeben habe sie diese aber nicht. Mit dem Mord an einer 72-jährigen habe sie nichts zu tun. Manche Aufträge seinen „von oben“ gekommen, sagt sie. Ihren Komplizinnen hat sie ja laut Anklage auch gesagt - Gott würde ihr SMS-Nachrichten schreiben.

Auch nach der belastenden Aussage, sie hätte die mutmaßliche Mörderin zum Mord angestiftet, bleibt sie bei ihrer Version - sie habe damit nichts zu tun, sie habe weder vorgezeigt wie man einen Menschen erwürgt und außerdem soll sie zum Tatzeitpunkt in Kitzbühel gewesen sein.

Es kommt auch ans Licht, dass die Frau, die schon wegen Betrugs (sie hat als Hellseherin unmengen an Geld von älteren Personen erbeutet) im Gefängnis gesessen ist, trotz ihrer Verurteilung weiter "gearbeitet" hat und so jahrelang um die 4000 Euro pro Monat schwarz erwirtschaftet hat.

Während der Anhörung der Hauptverdächtigen hat sie auch einen bisher unbekannten Mann ins Spiel gebracht. Er soll noch größere esoterische Fähigkeiten haben als sie.


Die Zweitangeklagte, die den Mord begangen haben soll, sagte, sie fühle sich schuldig, habe aber nicht aus eigenem Willen gehandelt. Sie soll von der Seele der Hauptangeklagten besessen gewesen sein. Die Hauptangeklagte soll ihr immer wieder die Hände aufgelegt und ihr Lebensenergie weggesaugt haben, wenn sie das alles nicht mache. Der Mord an der 72-jährigen Villacherin soll sogar geübt worden sein - die Hauptverdächtige soll ihr gezeigt haben was sie machen soll. „Entweder mit dem Kissen oder mit der Hand den Mund und die Nase zuhalten, wenn das nicht funktioniert, dann den Hals“, geht sie ins Detail.

Den Auftrag zum Mord soll sie von Gott bekommen haben, der durch den Körper der Hauptangeklagten mit ihr gesprochen haben soll - und das mehrmals, die Hauptangeklagte soll eine Art "Medium gewesen sein":

"Sie ist neben mir im Auto gesessen und hat mich angeschaut, aber nicht durch ihre Augen. Es war jemand anders, der mich da angeschaut hat. Sie ist gefahren, hat aber nicht auf die Straße geschaut, sondern nur auf mich und hat mit mir geredet. Ich habe einen Schock bekommen und sie gefragt: Wer bist du? Dann hat diese Person durch sie gesagt: Der liebe Gott. Das habe ich öfter erlebt." 

Die Taten (unter anderem auch Betrugsmaschen) habe sie Ausführen müssen - weil die Hauptverdächtige angedroht hatte ihr oder ihrer minderjährigen Tocher würde etwas passieren, wenn sie das alles nicht macht.


Die Drittangeklagte ist nur wegen Betrugs angeklagt - sie ist geständig.



Was wird den Frauen vorgeworfen?


Margit T., Barbara H. und Melitta O. stehen seit 13. Jänner vor dem Landesgericht Klagenfurt. Dem "Hexen-Trio" aus Umberg bei Wernberg/Villach wird schwerer Betrug (sie sollen über 5 Jahre lang vor allem Pensionisten betrogen und eingeschüchtert und damit rund eine Million Euro erbeutet haben), Mord (eine 72-jährige soll erwürgt worden sein, einen 95-jährigen wollten sie vergiften) und Brandstiftung (mindestens vier Brände sollen aufs Konto der drei Frauen gehen) vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Insgesamt sind beim Prozess drei Verhandlungstage vorgesehen.

Das Trio hat für einen der größten und umfangreichsten Fälle in der Kärntner Polizeigeschichte gesorgt. Wir haben die Vorfälle nochmal für dich zusammengefasst:

Was bisher geschah - die Chronologie...


Ende April 2018

Ein 95-jähriger ruft die Polizei. Eine Bekannte soll ihn mehrmals bedroht und auch angegriffen haben. Die 43-jährige hat ihn in den Schwitzkasten genommen und ihm auch mehrmals Flüssigkeiten in den Mund gespritzt. Wenige Tage später erzählt er das auch seiner Tochter. Eine unbekannte 47-jährige soll eines Tages sein ganzes Vermögen bekommen - das ist so in seinem Testament festgelegt.

12. Mai 2018

Der 95-jährige stirbt im Krankenhaus "eines natürlichen Todes" - wie es heißt. Der Leichnam wird eingeäschert. Sein Testament hat er kurz vor seinem Tod noch geändert. Die 47-jährige bekommt nichts - sein Sohn erbt alles.

20. Juni 2018

Das Haus des Verstorbenen am Ossiacher See geht in Flammen auf. Die Polizei vermutet Brandstiftung - von einem Täter gibt es keine Spur.

19. Oktober 2018

Eine Villacherin meldet der Polizei, dass Sie ihre Nachbarin seit 5. Oktober nicht mehr gesehen hat. Nach einer Türöffung finden die Beamten die bereits verwesende Leiche der 72-jährigen. Einbruchsspuren sind keine zu sehen, dafür hat das Opfer Würgemale am Hals. Alles sieht nach einem Mord aus - Spur zu Tatverdächtigen gibt es aber noch keine.

09. November 2018

Gegen 20.30 Uhr geht bei der Landesalarm- und Warnzentrale ein Notruf aus Umberg ein. Die Anruferin meldet ein Feuer in einem Abstellraum am Nachbargrundstück. Sie hat auch eine Person mit Stirnlampe davonlaufen gesehen. Fast 100 Feuerwehrleute von fünf Feuerwehren kämpfen gegen die Flammen.

18. November 2018

Wieder heulen rund um Umberg die Sirenen. Gegen 21:30 Uhr ist in einem Wirtschaftsgebäude ein Brand ausgebrochen. 120 Feuerwehrmänner und -Frauen stehen stundenlang im Einsatz. Das Gebäude brennt völlig aus. Wieso der Brand ausgebrochen ist steht an diesem Tag noch nicht fest. Es liegt aber der Verdacht nahe, dass es wieder Brandstiftung war.

24. November 2018

Ein Autofahrer meldet einen kleinen Brand in Umberg. Die Polizei trifft wenig später ein und kann den Brand am landwirtschaftlichen Anwesen mit Handfeuerlöschern bevor die Feuerwehr eintrifft. Wieder wird von Brandstiftung ausgegangen.

Die Nacht von 24. auf 25. November 2018

"Während der dritten Brandstiftung waren mehr Polizisten als Einwohner in Umberg", gibt die Polizei wenige Tage später bekannt. So kam es, dass ein Polizeihund eine Fährte über Felder verfolgt hat und so wurde eine 43-jährige wegen des Verdachts auf Brandstiftung festgenommen.

25. November 2018

Die Tatverdächtige wird den ganzen Tag über verhört. Während der Befragung und der Hausdurchsuchung werden verbindungen zur toten 72-jährigen vom 19. Oktober festgestellt. Sie wird mit dem Mord konfrontiert und gesteht sowohl die drei Brandstiftungen, als auch den Mord an der Villacherin. Jedoch gibt sie an, dass sie die Taten in Auftrag bekommen hat. 

Der Abend des 25. November 2018

Nach den Aussagen der Tatverdächtigen werden eine 47-jährige aus dem Bezirk Villach-Land und eine 61-jährige aus dem Bezirk Villach-Stadt festgenommen. Was sich nun herausstellt ist für die Villacher Polizei einer der außergewöhnlichsten Fälle aller Zeiten. Das Verhör des Trios bringt das Ergebnis, dass die drau Frauen jahrelang vor allem ältere Menschen im Visier hatten, die sie mit unterschiedlichsten Betrugsmethoden bearbeitet haben. Insgesamt ist von 10 Betrugsopfern die Rede - rund eine Million Euro haben sich die drei Frauen in fünf Jahren so erwirtschaftet. Wenn jemand nicht zahlen wollte, wurde derjenige verhext, verflucht oder ihm wurde Gewalt angedroht.

Nach den Verhaftungen waren die Umberger erleichtert...

Janja aus Umberg spricht über die schlimmen Tage im November:

Ihrem Nachbar Arnulf ging es völlig gleich...

Dem 80-jährigen Harald kamen sogar die Tränen...

Ende Jänner 2019

Nach den vielen Befragungen und Ermittlungen wurde auch die Verbindung zwischen den drei Frauen und dem toten 95-jährigen aus dem Mai 2018 schnell festgestellt. Ende Jänner gab die 47-jährige Tatverdächtige zu, dass sie den Mann umbringen wollte. Sie habe ihm im Krankenhaus "Maiglöckchen" verabreicht um sein Ableben zu beschleunigen. Ob das tödlich war, kann nun nicht mehr festgestellt werden, nachdem die Leiche eingeäschert wurde. Laut Gerichtsmedizin war die verabreichte Menge aber wohl nicht tödlich. 

Ende August 2019

Die Anklage gegen die drei Hauptverdächtigen ist fix. Die Staatsanwältin fordert lebenslänglich und eine Einweisung.

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