"Es war eine emotionale Zeit"

Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Köstinger über 200 Tage Bundesregierung

Die Kärtnerin im Regierungsteam


Am Samstag, den 25. Juli ist es bereits 200 Tage her, dass die neue, österreichische Bundesregierung angelobt worden ist. In der Koalition zwischen der ÖVP und den Grünen gehört auch die Lavanttalerin Elisabeth Köstinger zum Regierungsteam.

Die 42-jährige Kärntnerin ist als Bundesministerin für Tourismus, Regionen und Landwirtschaft Teil des Regierungsteams rund um Bundeskanzler Sebastian Kurz der ÖVP.  Neben ihren Ministerien ist Köstinger auch für den Zivildienst zuständig.

Die ersten 200 Tage hinter den Kulissen


Das erste Halbjahr 2020 war nicht nur für jeden einzelnen Österreicher eine völlige Ausnahme-Zeit, auch für die Politiker in unserem Land. Wir haben mit der Kärntner Ministerin Elisabeth Köstinger einmal hinter die Kulissen geschaut und sie im Antenne-Interview gefragt, wie es ihr gegangen ist, als sie Teil jener Gruppe war, die Entscheidungen mitgetroffen hat.


Wie groß war die Herausforderung für Sie und Ihr Team?

Es war durchaus eine große Herausforderung in den letzten 200 Tagen. Beim Start haben wir selbst noch nicht für möglich gehalten, dass uns eine Weltweite Pandemie überrollt - das Ganze war natürlich mit viel Arbeitsaufwand verbunden, wir waren eigentlich rund um die Uhr im Büro, haben viele Videokonferenzen abgehalten und immer geschaut wie sich die Lage in den Nachbarstaaten entwickelt. Ich war auch sehr engagiert um zu schauen, dass Grenzen so schnell wie möglich wieder aufgemacht werden. Wir haben aber auch versucht viele Projekte auf den Weg zu bringen - wie zum Beispiel die Tests der Tourismus-Mitarbeiter, auch die ganzen Unterstützungsprojekte die die Wirtschaft durch diese schwierige Zeit bringen sollen haben uns befasst.

Wie ist es Ihnen persönlich dabei gegangen, solche zum Teil schweren Entscheidungen mit zu treffen?

Es war eine sehr emotionale Zeit, weil man weiß, dass auch immer sehr viele Betriebe und Existenzen dahinter stecken, die über Jahrzente arbeiten und wirtschaften - denen hat zum Teil die Lebensgrundlage gefehlt - also es war eine harte Zeit. Jetzt versuchen wir vor allem aus dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation herauszukommen. Die Betriebe zu entlasten, zu unterstützen und auch zu investieren, das ist jetzt das Gebot der Stunde.

Wie nahe geht einem das persönlich, wenn plötzlich ganze Schicksale von einzelnen Entscheidungen abhängen?

Man nimmt das schon sehr persönlich - die Tage beginnen und enden mit vielen Telefonaten, wo man hört wie es den Regionen geht, wie es den Betrieben geht. Ich bin ja speziell mit Kärnten gut vernetzt, ich kenn ganz viele die stark betroffen sind und da sind aber auch immer viele Inputs gekommen: Unterstützts uns dort - der Fixkostenzuschuss und auch Maßnahmen, die wir uns so erst überlegen mussten, also Kurzarbeit,...

© Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

War in den letzten 200 Tagen überhaupt Zeit für Hobbys, Freizeit und Familie?

Nein, also wir sind tatsächlich nur zum duschen und kurz schlafen nach Hause. Das ist schon ein großer Druck der da auf einem lastet. Es waren sehr weitreichende Entscheidungen und niemand möchte in dieser Situation sein, entscheiden zu müssen, ob ein Betrieb schließt oder das gesellschaftliche Leben herunterfährt. Oder auch ob halt dann eine Infektionskrankheit um sich greift und dann durchaus auch viele Menschenleben kostet.  

Im Rückspiegel bin ich dankbar, dass wir die Entscheidungen so getroffen haben - wir würden es wieder tun. Wir sind ja vor allem mit dem Bundeskanzler sehr eng im Austausch. Die ältere Generation für unsere Wirtschaft zu opfern war nie eine Option. Gerade der Blick nach Schweden oder jetzt auch in die USA zeigt, dass der Weg der Richtige war.

Was haben sie aus dieser Zeit gelernt?

Ich bin ehrlich gesagt schon sehr dankbar für diese Erfahrung. Weil man genau in Krisensituationen auch immer sehr stark den Charakter von einzelnen Personen merkt. Da gibt es sehr viele gute, aber auch schlecht Erfahrungen, aber das prägt schon und bringt einen gemeinsam als Gesellschaft in Österreich auch weiter - davon bin ich überzeugt.

Was wäre in einem "normalen" Jahr auf ihrer ToDo-Liste gestanden?

Ich sehen in meinen Ministerien vor allem die Regionen als ganz zentralen Schlüsselpunkt. Mir ist es wichtig, dass wir die Struktur in unseren Dörfern halten, die Landgasthäuser unterstützen, damit die eine Zukunft finden. Denn all das sind Bereiche, die dafür sorgen, dass junge Menschen in den Orten bleiben und langfristig nicht in Städte und urbane Regionen abwandern.

Im Tourismus ist es mir daran gelegen, dass wir den Tourismus nachhaltig weiterbringen. Da müssen wir jetzt auch umdenken und umplanen, aber die Vision Österreich und auch Kärnten als eine der kräftigsten Tourismusregionen aufzustellen bleibt natürlich aufrecht.

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