"Es sind nicht nur die Biker"

Auch Wanderer machen in Wäldern Probleme

Es ist eine Diskussion, die jedes Jahr aufkommt: Mountainbiker, die mit dem Fahrrad im Wald unterwegs sind und so auch oft Schäden verursachen, verärgern Waldbesitzer.

Die Einen verweisen auf den Spaß, den sie bei den Abfahrten haben und darauf dass jeder in den Wald gehen darf - die Anderen ärgern sich über Schäden an Bäumen, Wurzeln aber auch niedergerissene Zäune

Alle an einem Tisch


Wir von der Antenne Kärnten haben alle Seiten - einen Mountainbiker, die Geschäftsführerin einer Waldwirtschaft und einen Rechtsexperten - an einen Tisch gesetzt und uns mit ihnen über die Thematik unterhalten, zwischen den beiden Seiten vermittelt und die alles entscheidende Frage geklärt - Ist Mountainbiken im Wald überhaupt erlaubt?

Marisa Miller-Aichholz (Betroffene), Daniel Oberrauner (Mountainbiker) und Dr. Mario Deutschmann (Rechtsexperte und Verwaltungsdirektor der Kärntner Jägerschaft) im Gespräch im Antenne Kärnten-Reporter Christopher Tiefnig:

Beispiele von Schäden im Wald von Frau Miller-Aichholz



 


Credits: kk/privat


Die besten Zitate des Gesprächs


Marisa Miller-Aichholz - Betroffene

Es gibt Mountainbiker, die aggressiv sind und meine Bitte, nicht mehr zu kommen, nicht berücksichtigen. Manche werden auch gewalttätig - ich bin schon einmal überfahren worden.
Die Mountainbiker sind aber nicht die Einzigen, die Probleme machen. Auch Fußgänger hinterlassen Taschentücher mit ihren Exkrementen, Dosen von Energy-Drinks,... Die meisten Wissen einfach nicht, was ein gesunder Waldboden ist.
Abgefahrene Wurzeln bieten für Bäume keinen Schutz mehr - das ist wie wenn wir Menschen einen Sonnenbrand haben - die Haut, in diesem Fall die Rinde, ist völlig ohne Schutz.
Der Waldboden wird dermaßen beschädigt, dass nichts mehr wächst, außerdem werden die schmalen Wege immer breiter - wie Autobahnen.


Besonders brutale Mountainbiker schneiden Bäume oder Zäune um - so entsteht schnell ein Schaden von bis zu 2.000 Euro - den der Waldbesitzer begleichen muss.
Solche 'Ausreisser' machen es für alle anderen Mountainbiker kaputt.
Es sollte 'Lehrpfade' für Mountainbiker geben, damit sie wissen, wie man sich im Wald verhalten muss und was erlaubt ist.
Das Land sollte außerdem mehr Möglichkeiten wie 'Förderungen' für Waldbesitzer bereitstellen.
Jeder Mountainbike-Verein sollte eine zentrale Ansprechperson stellen, mit der sich Waldbesitzer austauschen können, wo über Angebote, aber auch bei Schäden gesprochen wird.



Daniel Oberrauner - Mountainbiker



Mountainbiken ist eine der schönsten Sportarten überhaupt, es ist wie Wandern, nur dass man weitere Strecken zurücklegen kann.
Die Begegnungen mit anderen Personen im Wald sind gut - mit anderen Radfahrern oder Wanderern tauschen wir uns oft aus.
Auch Begegnungen mit Waldbesitzern laufen meist ruhig ab - ich bis bis zu 6 Mal pro Woche mit dem Rad unterwegs. Pro Jahr gibt es maximal 2 'unangenehme' Begegnungen.
Wenn zwei Sturköpfe aufeinander treffen ist es sicher anders, als wenn man normal miteinander spricht. Wie man in den Wald rein ruft, so kommts meistens auch zurück.
Es gibt mehr Mountainbiker, als Fußballer in Vereinen in Österreich - die Wenigsten sind aber in Vereinen.
Deshalb fehlt auch die Kommunikation bzw. können wir nicht der Multiplikator sein, der wir wollen - wir würden gerne mehr Menschen erreichen.
Ich glaube es fehlt tatsächlich am Wissen - dem Wissen, dass Mountainbiken nicht überall erlaubt ist, bzw. dass es gewisse Regeln gibt.
Allerdings sehe ich auch Hersteller und Händer in der Plficht - TV-Werbungen und Plakate zeigen immer Mountainbiker, die irgendwo durch den Wald und Pfützen fahren - das wird als 'normal' dargestellt.
Unser Traum wäre es einen Rad-Koordinator zu haben - und zwar in jeder Tourismus-Region in Kärnten. Einen gibt es - Ex-Profi, Paco Wrolich - er hat extrem viel zu tun. Für Mountainbiker und auch Rennradfahrer.
Es sollte rund um alle Ballungsräume offizielle Strecken und auch Lern-Strecken für Kinder geben.



Dr. Mario Deutschmann, Rechts-Experte und Verwaltungsdirektor der Kärntner Jägerschaft



Radfahren im Wald ist grundsätzlich verboten - so steht das auch im Forst-Gesetz. 
Wenn ich zum Beispiel eine Forststraße benütze, müsste ich beim Besitzer nachfragen, ob ich das darf - Es ist wie überall sonst, wenn mir etwas nicht gehört, muss ich fragen, ob ich es benutzen darf.
Für die Kennzeichnung reicht auch die einfache Fahrverbotstafel 'Forstweg'
Benützen dürfen wir Forststraßen und Waldwege fürs Laufen, Wander,...
Zu sagen: 'Wir passen eh auf und bremsen so wenig wie möglich, etc.' gilt nicht - ich kann nicht nur 'leicht' gegen ein Gesetz verstoßen. Was verboten ist, ist verboten!
Einige 'Vorzeige-Regionen' gibt es schon, was zum Beispiel Trails angeht - das sind vor allem Regionen in Oberkärnten - die Nockberge, das Nassfeld. Immer mehr Regionen ziehen aber nach.
Mittlerweile gibt es in Kärnten ein weites Wegenetz an Mountainbike-Strecken. Die sind zum Beispiel im Internet leicht zu finden. Natürlich sind ein paar weiße Flecken dabei - aber dafür sind Gemeinden verantwortlich.
In Österreich gibt es 120.000 Kilometer Forststraßen - im Vergleich dazu 1.800 Autobahn-Kilometer. In Kärnten sind in den vergangenen Jahren rund 3.300 Kilometer offizielle Mountainbike-Strecken - die mit der Zustimmung von Grundbesitzern errichtet worden sind.
Als Lösung kann es wohl nur ein gemeinschaftliches Miteinander geben, das auch gesetzlich festgehalten wird. Beide Seiten sollen sich in die Augen schauen können und sagen können: 'Das haben wir gemeinsam erreicht.'
Wie es schon von beiden Seiten angesprochen worden ist, MUSS es eine Lösung für Kinder und Jugendliche geben. Regeln müssen weitergetragen werden und Ausreißer wird es - leider - auf beiden Seiten immer wieder geben.


Reaktion der Politik


Natürlich haben wir - wie immer wenn unsere Hörer etwas beschäftigt - die Anliegen und auch Lösungsvorschläge gleich an die zuständigen Stellen weitergeleitet. In diesem Fall an Landesrat Martin Gruber von der ÖVP. Er ist für die Referate Landwirschaft, Forstwirtschaft (Forstwege) aber auch den Radwegebau zuständig. Wir haben ihn um seine Einschätzung gebeten und ihn auch mit einigen Lösungsvorschlägen unserer Diskussions-Teilnehmer kontrontiert.

Das Problem gibt es schon ewig - durch Corona und mehr Mountainbiker ist es aber noch größer geworden. 
Schon im Winter haben Tourengeher Probleme in Jungwäldern gemacht.
Wir arbeiten mit dem neuen Projekt 'Respektiere deine Grenzen' mit einer großen Runde aller Beiteiligen am Problem.
Wir wollen es auch an die breite Masse bringen, dass Radfahren im Wald einfach verboten ist.
Das Bauern ihre Grundstücke beschützen ist klar - wenn Sportler das nicht einsehen wollen, sollte auch abgestraft werden - das will aber natürlich keiner.
Wir arbeiten ständig am Problem - solche Vorgeschlagenen Lehrpfade wären auf jeden Fall der nächste Schritt.

Die Eckdaten





Offizielle Mountainbike-Strecken in Kärnten


Die "Kärnten-Werbung" bietet einen großen Überblick über "Flow-Trails", "3 Länder-Touren" und sonstigen Strecken. Alle Infos findest du - hier.

"Bergfex" ist nicht nur für Wanderer ein Dauerbrenner, wenn es um Touren geht - auch die Liste der offiziellen Mountainbike-Strecken wird immer länger - hier ist für jeden etwas dabei.

Credits: Kärnten Werbung/Screenshot

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