"Erweiterung lange geplant!"

Diskussionen um das "LCA-Süd" in Fürnitz

Das "Logistik Center Austria - Villach-Süd" in Fürnitz bei Villach ist derzeit wieder immer öfter in den Schlagzeilen. Es geht um eine Erweiterung, des Areals - das schon jetzt so groß ist wie 220 Fußballfelder (160 Hektar) - in Richtung Norden, nach Federaun im Bezirk Villach.

Aber was steckt hinter diesen drei Buchstaben "LCA"? Wir haben uns mit den beiden Geschäftsführern - Udo Tarmann und Julia Feinig-Freunschlag - getroffen und uns mit ihnen über die Gesellschaft "LCA", den Status quo und die Pläne für die Zukunft unterhalten.

"Die Nord-Erweiterung war schon immer geplant"


Was ist das "LCA"-Süd?

Udo Tarmann: Einerseits der Name der Gesellschaft, die 50 Prozent der KBV (Kärntner Beteiligungs-Verwaltung) und zu 50 Prozent der ÖBB-Infrastruktur gehört. Andererseits ist es der Name des noch zu entwickelnden "Logistik-Hubs". Es liegt in drei Gemeinden - Villach, Finkenstein und Arnoldstein. Begonnen hat die "Besiedelung" des Areals in den 1980er Jahren. Damals mit dem Bau des zweitgrößten Verschiebebahnhofs Österreichs in Fürnitz - der größte ist übrigens in Wien.

Rundherum liegen 45 Unternehmen mit über 700 Mitarbeitern, die den unterschiedlichestn Branchen wie der Logistik,... angehören.

Wie wichtig ist der Standort in der Nähe von Villach?

Udo Tarmann: Welchen Stellenwert diese Region hat, zeigt glaub ich, der Ausbau der Infineon. Das merken auch wir - auch wenn wir uns in anderen Bereichen weiterentwickeln - nicht in der Hochtechnologie, sondern im Bereich der Logistik. Es gibt aber immer wieder Zusammenhänge zwischen der Technologie und der Logistik, das ist klar.

Wie wichtig ist die Logistik heutzutage?

Udo Tarmann: Im asiatischen Raum gehen die StartUp-Gründungen in dieser Branche durch die Decke. Das zeigt das Potential. Eine große Rolle spiel natürlich auch die Digitalisierung, also immer mehr Logistik wandert in den digitalen Raum.

Julia Feinig-Freunschlag: Vor allem in der Pandemie ist die Wichtigkeit der Logistik einmal mehr sichtbar geworden. Lagerhallen und Leercontainer-Depots waren sehr gefragt - Grund waren eben die Engpässe in den Häfen.

Wie wichtig ist die Nähe an die Alpen-Adria-Raum?

Udo Tarmann: Sehr wichtig - seit 2004 gibt es auch immer wieder gemeinsame Projekte mit Förderungen auf europäischer Ebene. 2004 ist ein Netzwerk aus vier Regionen gegründet worden - mittlerweile gehören 25 Regionen aus ganz Europa mit dabei. Vernetzung wird bei uns gelebt.

Zum Anderen ist die Lage in Fürnitz natürlich perfekt - wir befinden uns direkt an zwei wichtigen, europäischen Verkehrsachsen: Wir haben die baltisch-adriatsische Achse und die Tauernachse, die zukünftig zur Balkan-Achse gehören wird.

Julia Feinig-Freunschlag: Vernetzung hat es vor allem in der Eisenbahn-Logistik schon immer gegeben. Vor allem historisch, aus den Regionen Koper und Triest. Es war schon immer wichtig und ist es auch in Zukunft immer mehr.

Derzeit ist die so genannte "Nord-Erweiterung" großes Gesprächsthema. Diese Erweiterung ist aber schon länger Thema...

Udo Tarmann: Diese Zone ist schon 2004 festgelegt worden! Im Süden sind wir ja was die Ausdehnung angeht, beschränkt. Dieser Süden ist immer für Klein- und Mittelbetriebe gedacht gewesen - also Dienstleister im Logistik-Bereich. Der Norden bietet eben Möglichkeiten für größere Ausdehnungen.

Credits: LCA Süd


Wie weit sind die Pläne?

Udo Tarmann: Im Jahr 2008 hat es in Federaun eine Naturverträglichkeitsprüfung gegeben - die war positiv. Derzeit laufen Planungsarbeiten der Stadt Villach. Wir helfen zwar mit, sind aber nicht direkt involviert - sprich: Die Stadt Villach ist dabei der beste Ansprechpartner.


Gäbe es schon Investoren für die Flächen in Federaun?

Udo Tarmann: Ja, gibt es! Dieser große Investor ist ja auch schon öffentlich kommuniziert worden. Bei der Vermarktung sind wir weiterhin aber sehr zurückhaltend - die meisten Investoren möchten heute kommen und morgen zu bauen beginnen.

Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, dass es im Industriegebiet von Fürnitz noch immer freie Flächen gibt?

Udo Tarmann: Dass das so einfach nicht stimmt! Man sieht viele Grünflächen, aber das heißt nicht, dass wir auf die Flächen zugreifen können und zweitens gibt es bei vielen dieser Flächen noch Themen wie Hochwasser-Schutz bzw. -Gefahr.




Wäre der fehlende Gleis-Anschluss ein Problem im "Nord-Teil"?

Julia Feinig-Freunschlag: Aus unserer Sicht ist das kein Problem. Es werden genügend Alternativen geplant. Wir müssen auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten - wie viel würde ein Anschluss über die Gail kosten bzw. wie viel wird dann darüber transportiert. Das wird wohl erst richtig ausdisskutiert werden, wenn es so weit ist und die Projektpläne für die "Zone Nord" konkret werden.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Was denken Sie, wie das "LCA-Süd" in 10 Jahren aussieht? Wie planen Sie? Wo liegen die Herausforderungen?

Udo Tarmann: Das große Thema wird wohl die Flächenverfügbarkeit werden. Wer Bereiche für die Logistik und damit auch Arbeitsplätze schaffen will, der braucht Platz. Weltweite Lieferengpässe haben eine gewisse Abhängigkeit gezeigt. Das bedeutet, dass die Pläne für die Zukunft auf zwei Ebenen belaufen. Die Einen denken es kommt zu einer Re-Regionalisierung - die Anderen denken es geht auf diesem globalen Weg weiter.

Hinzu kommt der Umweltgedanke: Bahn vs. Straße. Hier ist es unsere Aufgabe Verkehre zu bündeln und Waren von A nach B zu bringen.


Julia Feinig-Freunschlag: Wir planen eine "Logistik-Hub" - eine Drehscheibe - für bahnaffine Logistik. Der Grund: Wir sind mit diesem Großverschiebebahnhof konkurrenzlos und das im Umkreis von rund 300 Kilometer. Das ist einer unserer größten Alleinstellungsmerkmale. Auch die Fertigstellung des Koralmtunnels wird natürlich weiteren Bahn-Verkehr bringen.

Welche Wünsche hätten Sie für die Zukunft?

Udo Tarmann: Dass wir als Logistik-Zentrum eine wichtige Rolle im Alpen-Adria-Raum spielen. Aber nicht nur als Dienstleister, sondern wirklich als Kompetenzzentrum - für die Bereiche der Forschung, Entwicklung und auch für StartUps. Für die Region wünsche ich mir, dass viele neue Arbeitsplätze entstehen.


Julia Feinig-Freunschlag: Natürlich eine starke Verlagerung des LKW-Verkehrs auf die Schiene. Aber auch, dass wir ein starker, regionaler Verladepunkt werden.