Dirndl wieder voll im Trend

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Traditionell modern

Lange Zeit galt die Tracht als altmodisch und wurde – wenn überhaupt – nur noch auf Veranstaltungen wie dem Wiesenmarkt oder dem Oktoberfest getragen. Mittlerweile scheint sich das aber zu wandeln. Trachtenmode erlebt einen regelrechten Boom. Nicht nur auf den Oktoberfesten, die es mittlerweile deutschland- und sogar weltweit gibt, wird die traditionelle Mode in den verschiedensten Ausführungen und Kombinationen getragen.

Dirndl und Lederhosen gehörten früher zur ganz normalen Arbeits- und Alltagskleidung im deutschsprachigen Raum. Doch Mode unterliegt bekanntlich Strömungen und so verschwanden sie immer mehr von der Bildfläche. Sie waren nur noch an einigen Älteren zu bewundern, die noch Wert auf Tradition legten, oder bei besonderen Anlässen wie Dorffesten, an Bedienungspersonal in einem urigen Restaurant und als Verkleidung an Fasching. 

Dann tauchten sie plötzlich bei immer mehr Anlässen wieder auf: Volksfeste, Firmenfeiern, Hochzeiten. Ein Revival, das noch lange nicht sein Ende erreicht hat. Stattdessen hält die Tracht nun auch in modernisierter Form Einzug in die Alltagsmode. Trachtentypische Verzierungen, Rüschen und Co. sind beliebte Eyecatcher. 

Von der Arbeits- zur Festtagskleidung: Die Geschichte der Tracht

Hierzulande werden das Dirndl und die Lederhosen als Tracht bezeichnet, prinzipiell beschreibt sie aber einfach die typische Kleidung eines Volkes. In anderen Ländern sieht die traditionelle Tracht daher gänzlich anders aus. Manchmal diente sie seit jeher festlichen Anlässen wie Hochzeiten. In den meisten Fällen, wie bei der Lederhose und dem Dirndl auch, war sie aber die ganz normale Arbeitskleidung der einfachen Bürger. 

Die österreichische Tracht stammt aus der romantischen Epoche und wurde später durch Kaiser Franz Josef als Modeströmung im ganzen Land verbreitet. Dadurch entwickelte sie sich von der Arbeits- zur Festtagskleidung und wurde immer pompöser sowie auffälliger. Im 20. Jahrhundert kam sie jedoch langsam außer Mode und war, wie bereits erwähnt, für lange Zeit beinahe vollständig aus dem Alltag verschwunden. 


Trachten wurden vorzugsweise immer zu traditionellen Anlässen getragen. Quelle: fotolia.com @Alexandra

Die Tracht steht für eine Verwurzelung mit der Heimat

Immer wieder wird die Tracht als Kostüm missverstanden, welches eben an Fasching oder für ein Fest aus dem Schrank gezogen wird. Dies widerspricht allerdings ihrem Ursprung. Einerseits war die Tracht natürlich vor allem praktisch. Als Arbeitskleidung musste sie robust sein und durfte bei den Bewegungen nicht einschränken. Irgendwann gehörte die Tracht aber auch zum Selbstverständnis der Menschen. Sie war Teil ihrer Identität, ebenso wie ihre Nationalität, ihre Sprache, ihr Glaube. Eine Tracht wird mit Stolz getragen, nicht mit einem Augenzwinkern. 

Ein Gedanke, der nun langsam aber sicher auch wieder bei den jüngeren Generationen einkehrt. Das Dirndl und die Lederhosen werden mittlerweile nicht mehr nur als Verkleidung für besondere Anlässe angesehen. Stattdessen schenken sie Identität in einer Zeit, in welcher aufgrund der Globalisierung die Grenzen und damit auch die Traditionen verschwimmen.

Zukunftsangst erwirkt Rückbesinnung – auch in der Mode

Tatsächlich wird in diesen aktuellen Entwicklungen ein Hauptgrund für das Revival gesehen, welches die Trachtenmode aktuell erlebt. Die Globalisierung, die Digitalisierung, der Klimawandel - es gibt viele Gründe, weshalb sich die Österreicher verunsichert fühlen. 

Vor allem in den jüngeren Generationen herrschen Zukunftsängste vor, was in Bewegungen wie dem „Schulstreik für den Klimaschutz“ mündet, der in Schweden kürzlich Schlagzeilen gemacht hat. Niemand scheint aktuell so recht zu wissen, wie die Welt in zehn, 15 oder 50 Jahren aussehen wird. Viele Menschen befürchten aber, dass die Perspektiven eher negativer als positiver Art sind. „Früher war alles besser“, schallt es plötzlich nicht mehr nur aus den Reihen der Senioren, sondern sogar die Generation Y und Generation Z sehnen sich immer häufiger nach alten Werten und Tradition. 

Das Oktoberfest boomt und mit ihm auch die Tracht


Das Oktoberfest gibt es längst nicht mehr nur in München. Quelle: fotolia.com @Rawf8

Ganz unschuldig an dem neuen „alten“ Trend ist aber auch das Münchner Oktoberfest nicht. Dieses gibt es zwar schon seit dem Jahr 1810, doch im Zuge der Globalisierung erobert es nun auch den Rest der Welt. Eine Nachahmung des Volksfestes gibt es in beinahe jedem Land der Welt von den USA bis nach China. Und sogar dort tragen die Gäste oftmals Tracht. Mit der traditionellen österreichischen Tracht hat das zwar meist nur noch wenig zu tun, dennoch handelt es sich unverkennbar um Varianten von Dirndl und Lederhosen. Die Internationalisierung befeuert den Trend zur Trachtenmode also gleich auf mehreren Ebenen. 

Es gibt Unterschiede zwischen der modernen und der traditionellen Tracht

Dennoch lässt sich nur bedingt von einem Revival sprechen, denn bei den derzeit angesagten Dirndln und Lederhosen handelt es sich nicht exakt um die traditionellen Trachten von damals. Stattdessen wurden diese modernisiert. Das Dirndl wird heutzutage kürzer getragen. Mann trägt zur Lederhose auch mal Wanderschuhe oder Sneakers. Die Meinungen, was „erlaubt“ sei und was nicht, gehen dabei weit auseinander. Selbst Lederhosen für Frauen oder Dirndl für den Mann gibt es mittlerweile zu kaufen. Einige Merkmale bleiben aber stets dieselben und so lassen sich die modernisierten Versionen durchaus noch eindeutig als österreichische Tracht erkennen. 

Gibt es ein „Kärntner Dirndl“?

Die eine österreichische Tracht gibt es ohnehin nicht. Schon immer unterlag sie Modeströmungen und zudem gab es regionale Unterschiede. Allein in Kärnten sind 80 verschiedene Dirndl offiziell registriert – und dabei wurden die modernisierten Varianten noch nicht einmal berücksichtigt. Dennoch gibt es ein Dirndl, das sogenannte „Resch-Dirndl“, welches als für die Region typisch gilt und somit als das typische Kärntner Dirndl bezeichnet werden könnte. Auch dieses erlebt aktuell einen Aufschwung und erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit.

Beim Resch-Dirndl handelt es sich um einen dunkelblauen Baumwollstoff, der an Leib sowie Rock mit weißen Punkten verziert ist. Das Oberteil weist eine Paspelierung auf, besitzt aber keine Rückenteilung. Kombiniert wird das Kärntner Dirndl je nach Anlass mit einer weißen oder schwarzen Schürze. Das weiße Modell wird in der Regel mit roten oder blauen Blumenranken bedruckt. Die festliche Variante in Schwarz ist hingegen einfarbig sowie aus Seide gefertigt. Der gleichnamige Erfinder Prof. Leopold Resch und ein bedeutender Brauchtumsmaler aus Kärnten entwarfen die Tracht zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Demnach trägt der Herr eine braune oder schwarze Hose und einen Hut passend zum Trachtenrock. 

Wie sieht die Zukunft der Tracht aus?

Demgegenüber hält die Tracht auch in der aktuellen Mode Einzug. Längst trägt Frau die Trachtenbluse nicht mehr nur zum Dirndl und auf Jeans werden die eigentlich von Lederhosen bekannt Stickereien angebracht. Ob und wie lange dieser Trend anhalten wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Wer sich jedoch mit den aktuellen Kollektionen namhafter Designer beschäftigt, der kommt an Trachten und ihren Merkmalen nicht vorbei. Wie bereits erwähnt, scheidet diese Entwicklung die Geister. Die einen freuen sich, dass die Trachten mit der Zeit gehen und es neue Schnitte, Modelle und Ideen gibt. Die anderen trauern der früheren Kleidung hinterher und sehen in den Abwandlungen eine Verletzung der Traditionen.


Durch Ihre Zeitlosigkeit  sind traditionelle Trachten auch bei Kindern beliebt. Quelle: fotolia.com @LightingKreative

Schlussendlich muss wohl jeder selbst entscheiden, ob und wie er die Tracht tragen möchte. Wer sich für die urtümliche Variante entscheidet, sollte diese dann aber wenigstens „richtig“ tragen, sprich von Kopf bis Fuß traditionell. 

Einen Vorteil bringt der Boom zudem mit sich: Dieser ist auch an den Herstellern nicht vorbeigegangen und so gibt es mittlerweile immer mehr Auswahl an Mustern, Schnitten &Co zu verschiedenen Preisen. Wer keine mehreren hundert Euro ausgeben kann oder will, findet durchaus ansehnliche Modelle nun sogar bei den Discountern für 15 bis 30 Euro. Auch das dürfte bei einigen Österreichern Bauchschmerzen verursachen. Doch durch den Trend lebt die Tracht zumindest weiter – obwohl sie vor wenigen Jahren noch am Aussterben war. Wie ihre Zukunft aussieht, lässt sich zum Stand heute noch nicht vorhersagen.

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