DIE STRAßENBAHN IN KLAGENFURT

Lost Places in Kärnten

LOST PLACES IN KÄRNTEN


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s zur letzten Klagenfurter Straßenbahn.  

Die Klagenfurter Straßenbahn startete 1891 mit einer von Pferden gezogenen Tram zwischen Hauptbahnhof, Heiligengeistplatz und Wörthersee. 1910 wurde die bis dahin privat betriebene Straßenbahn von der Stadt übernommen. In diesem Jahr beförderte man 386.766 Personen – eine durchaus starke Leistung für 24 Pferde, die aber schon wenig später in Pension geschickt wurden. 1911 ließ die Stadt die Tram elektrifizieren und erweiterte die Linienführung. Besonders beliebt waren die im Sommer auf der Strecke zum Wörthersee eingesetzten offenen Wagen. Schäden durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, fehlende Investitionen und der aus heutiger ökologischer Sicht wahnwitzige Plan, Klagenfurt zu einer „autogerechten“ Stadt zu machen, ließen das 11 Kilometer lange Schienennetz ab 1944 schrumpfen. 1963 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. 

Ganz verschwunden ist die Klagenfurter Straßenbahn dank einiger tatkräftiger Idealisten aber nicht. Seit 1976 verkehrt in den Sommermonaten am Lendspitz die Museumstramway, die jüngere Generationen staunen und ältere Semester in Erinnerungen schwelgen lässt. Betrieben werden die Straßenbahn und das angrenzende Stadtverkehrsmuseum vom Verein „Nostalgiebahnen Kärnten“, der dafür alte Waggons, Weichen sowie Schilder gerettet und mit viel Liebe zum Detail restauriert hat. Auch die 750 Meter lange Schienenstrecke haben die Tram-Retter eigenhändig angelegt. Befahren wird sie mit einem von den Tüftlern selbst umgebauten Triebwagen mit Elektromotor. Der Strom kommt aus einem großen Akku.



Ein rotes „Zugpferd“ mit grünem Antrieb – das passt zum Ziel der letzten Klagenfurter Straßenbahn: Die eingleisige Strecke führt an den Rand des Naturschutzgebietes Lendspitz-Maiernigg. Das 77 Hektar große Areal ist voller seltener Pflanzen und Tiere. Hier hat die in Kärnten vom Aussterben bedrohte Glänzende Glattschnecke ebenso ein ruhiges Zuhause gefunden wie die einzige heimische Wasserschlange, die Würfelnatter. Dazu kommen mehr als 120 auf dem Gelände gezählte Vogelarten. Sie nutzen das Natura-2000-Gebiet als Rastplatz auf der Reise in den Süden oder als Winterquartier. 

Die Museumstramway Klagenfurt verkehrt von Anfang Juli bis Ende August jeden Samstag und Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr zur vollen und zur halben Stunde. An der Endstation kann man eine Ausstellung über das Natura-2000-Gebiet Lendspitz-Maiernigg besichtigen. Das Straßenbahn-Ticket berechtigt auch zum Eintritt in das angrenzende Stadtverkehrs- und Kinomuseum. Prädikat: Sehenswert!

Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren  und in den Büchern der beiden:

Vergessen & verdrängt – Dark Places im Alpen-Adria-Raum 

Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum 

Verfallen & vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria-Region

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