Die geheimnisvollen Lochsteine

LOST PLACES IN KÄRNTEN

LOST PLACES IN KÄRNTEN


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s ins Lavanttal. 

Im ländlichen Raum findet man überall noch Loch- beziehungsweise Gattersteine. Der Name beschreibt relativ gut, worum es sich handelt. Ein Lochstein ist ein meist senkrecht in der Landschaft stehender Stein mit einem Loch, das Menschen in ihn geschlagen oder gebohrt haben. Über den Grund dafür scheiden sich bis heute die Geister, es gibt regional unterschiedliche Interpretationen. Die abenteuerlichste stammt aus dem oststeirischen Vorau. Dort wird die besonders hohe Lochstein-Dichte mit unterirdischen Gängen in Verbindung gebracht. Sie werden Erdställe genannt, existieren in Vorau tatsächlich und geben, was Datierung und Funktion betrifft, Forschern Rätsel auf. Die Lochsteine an der Oberfläche, so wird spekuliert, könnten Wegweiser zu den Tunnels gewesen sein oder ihren Verlauf anzeigen.



Andreas Kleewein spricht lieber von Gattersäulen statt von Lochsteinen. Der Archivar hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und mehrere Publikationen über die, wie er sie nennt, „steinernen Funktionsträger ländlicher Kulturräume“ in Kärnten verfasst. Unspektakulär, aber logisch ist die Hauptfunktion, die er ihnen zuschreibt: „Gattersäulen hat man früher bei Hofeinfahrten, Viehweiden oder alten Wegen aufgestellt. Sie haben der Befestigung eines drehbaren Holzgatters gedient.“ Manche Steine könnten auch Grundgrenzen markiert haben, sagt Kleewein. „Überall war das aber sicher nicht der Fall.“




Einen vagen Anhaltspunkt für eine über das Gatter hinausgehende Verwendung konnte der Forscher aber ausmachen: Der sogenannten Eidstein (mit Loch) soll laut Sage namensgebend für das Dorf Eitweg im Lavanttal gewesen sein. Ihm wird – je nach Überlieferung – nachgesagt, dass hier einst einheimische Bauern oder Fremde, die durchreisen wollten, durch Handauflegen den Untertaneneid ablegen mussten. Der Stein soll außerdem als Pranger und Abgabestelle für den Zehent gedient haben. Historisch gesichert ist laut Kleewein jedoch nur ein anderer, aber nicht ähnlicher Umstand. „Von diesem Stein hat ein schmaler Weg, der heute noch in Resten vorhanden ist, in Richtung der Koralpe geführte. Entlassene Strafgefangene wurden auf dieser Route in die Wälder geführt. Zuvor mussten sie am Stein den Untertaneneid ablegen.“

Offen bleibt das Alter der Gattersäulen, die in ganz Kärnten – vom Lieser- über das Glan- bis ins Lavanttal – zu finden sind. Auf einem Lochstein in Kranzlhofen bei Velden entdeckte Kleewein die Jahreszahl 1777. Der Forscher zählt ihn zu den jüngeren Exemplaren: „Mit Sicherheit hat man Säulen dieser Art schon in den Jahrhunderten davor aufgestellt.“

Der Eidstein liegt direkt an der Landesstraße durch Eitweg.




Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren  und in den Büchern der beiden:

Vergessen & verdrängt – Dark Places im Alpen-Adria-Raum 

Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum 

Verfallen & vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria-Region

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