Die Brille damals und heute

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Ein (Rück-) Blick in die Geschichte

Eine Brille als Sehhilfe ist nicht nur wichtig, um Unfälle zu vermeiden, sondern sie hat auch eine spannende Geschichte. Jedenfalls spannend genug, sodass der Villacher Optikermeister Alfred Plessin in einer Ausstellung mit dem Titel „Zeitreise“ Brillen und Sehhilfen aus insgesamt 260 Jahren präsentieren möchte. 

Ein optimaler Anlass für einen (Rück-) Blick in die Geschichte der Brille und einen Ausblick in ihre Zukunft. Denn tatsächlich haben Sehhilfen in ihren unterschiedlichen Formen in der Vergangenheit zahlreiche Veränderungen und Trends durchlebt. Heutzutage tragen viele Menschen freiwillig eine Brille als Modeaccessoire, während sie zahlreichen anderen Personen, welche eine solche auch wirklich benötigen, lästig ist. Sie greifen derweil lieber zu Kontaktlinsen oder lassen ihre Augen ganz modern lasern. Laut einer Analyse des Marktforschungsinstituts Spectra ist die Hälfte Österreichs auf eine Sehhilfe angewiesen. Etwa die Hälfte der Brillenträger trägt ständig eine Brille, die anderen 50 % nur gelegentlich, beispielsweise beim Lesen oder Autofahren. Etwa fünf Prozent tragen dauerhaft Kontaktlinsen und die Zahlen der Augenlaser-OPs steigen in den vergangenen Jahren stetig an. Es scheint also ein Thema zu sein, welches viele Menschen betrifft und somit auch beschäftigt.

Fehlsichtigkeit nimmt durch moderne Lebensgewohnheiten zu

Fehlsichtigkeiten gab es schon immer und lange Zeit waren die Zahlen prozentual gesehen relativ stabil. Sie können sowohl angeboren als auch erworben oder durch eine Krankheit ausgelöst sein. Dennoch lässt sich in den vergangenen Jahren ein stetiger Anstieg der Anzahl an Fehlsichtigkeiten feststellen. Immer mehr Menschen in Österreich sind also gelegentlich oder dauerhaft auf eine Sehhilfe wie eine Brille angewiesen. Begründet wird diese Entwicklung durch moderne Lebensgewohnheiten, welche vor allem mit dem Computer zusammenhängen. Immer mehr Menschen arbeiten viele Stunden pro Tag am PC oder führen andere Tätigkeiten aus, bei welchen sie nur kurze Distanzen überblicken müssen. Es fehlt also der Wechsel zwischen dem Blick ins Nahe sowie in die Ferne, sodass der Augenmuskel nicht mehr ausreichend trainiert wird. Somit erschlafft er zunehmend und es entsteht eine Kurzsichtigkeit. Hinzu kommt der schnelle Wechsel der Kopf- und Blickbewegungen bei der Arbeit am Computer. Dennoch: Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte der Fehlsichtigkeit so alt wie jene der Menschheit selbst. Wann also ist die Brille entstanden und wie sahen die ersten Sehhilfen aus?


Die Anfänge der Brille sind auf den Lesestein zurückzuführen, der aus Steinen von Bergkristallen oder Quarz stammen. Fotolia.com © Dr. N. Lange #240492976


Ein Lesestein als erste Sehhilfe

Es ist das Jahr 1240, als sich die erste Sehhilfe für Menschen mit Fehlsichtigkeit entwickelt. Zuvor blieb den Betroffenen kaum eine andere Möglichkeit, als sich von anderen Personen vorlesen oder im Alltag helfen zu lassen, je nach Ausprägung der Sehschwäche, obwohl durchaus bereits in der Antike entdeckt wurde, dass wassergefüllte Kugeln oder geschliffene Glasbehältnisse eine optische Vergrößerung hervorrufen können. Zur Behandlung einer Sehschwäche wird dieses Wissen bis dato aber noch nicht eingesetzt. Das soll ich nun ändern, so der Gedanke des arabischen Mathematikers, Astronomen und Meteorologen Ibn al-Haitam, welcher um das Jahr 1000 in seinem Buch „Schatz der Optik“ erstmalig die Idee einer geschliffenen optischen Linse zur Unterstützung der Augen formuliert. 

Im besagten Jahr 1240 greifen also westeuropäische Mönche, allen voran Roger Bacon, diese Idee auf und entwickeln den ersten Lesestein. Hierbei handelt es sich um einen Stein aus Bergkristallen oder Quarz, welcher halbkugelförmig mit konvexer Linse geschliffen und auf die Schrift gelegt wird. Somit vergrößern und verzerren sich die Buchstaben entsprechend einer modernen Lesebrille. Behandelt werden soll damit also vor allem die altersbedingte Weitsichtigkeit, die bis heute viele Menschen mit zunehmendem Lebensalter betrifft.

Wie die Brille zur Brille wurde

Besonders häufig und gerne wird für die Fertigung von Lesesteinen das Material Beryll, ein Halbedelstein, verwendet. Hiervon soll später der Name der Brille abgeleitet werden. Der Weg zur modernen Sehhilfe ist im Jahr 1240 aber noch weit. Die ersten Brillen ähnlich ihrer heutigen Erscheinungsform gibt es vermutlich um das Jahr 1280. Zu finden sind sie ab dem Jahr 1350 regelmäßig auch in Malereien. Jedoch verfügt die Brille zu dieser Zeit noch über keine Bügel. Stattdessen liegt die Nietbrille als zwei über einen Steg verbundene Gläser nun voll im Trend. Es folgen die Nietbrille am Stil sowie etwas später der Lorgnon und das Monokel. Jedoch ist die Brille in ihren verschiedenen Ausgprägungsformen zu dieser Zeit alles andere als Massenware wie im heutigen Österreich. Stattdessen können sich nur wenige Menschen, allen voran Reiche und Gelehrte, die Sehhilfe leisten. Dies macht es zugleich lange Zeit nicht notwendig, die Technologie hinter der Brille weiterzuentwickeln.

Erst, als im 15. Jahrhundert der Buchdruck erfunden wird, möchten plötzlich mehr Menschen lesen und benötigen somit auch eine entsprechende Sehhilfe. Die Brille wird zum flächendeckenden Phänomen und schnell kommen nicht nur neue Gläser für verschiedene Formen der Sehschwäche hinzu, sondern auch die Bügel entwickeln sich. Erfinder ist bereits im Jahr 1727 der britische Optiker Edward Scarlett, jedoch kann sich die Brille in ihrer heutigen Form endgültig erst im 19. Jahrhundert durchsetzen.


Die Technologie hinter der modernen Brille

Äußerlich gibt es anschließend keine großen Veränderungen mehr an der Brillentechnologie, jedoch durchläuft sie bis heute zahlreiche Modeströmungen. Innerlich steht seither vor allem die Weiterentwicklung der Gläser im Fokus, sodass im Jahr 1959 die erste Gleitsichtbrille mit stufenlosem Übergang erfunden wird. Individuell angepasste Gleitsichtgläser sind hingegen erst seit der Jahrtausendwende verfügbar und auch zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihres hohen Anschaffungspreises eher für gut betuchte Personen reserviert. Die Gläser werden zudem immer schmaler und die Fassungen aus immer leichteren Materialien wie Titan oder Aluminium gefertigt, sodass das Gewicht auf der Nase möglichst reduziert wird. Wie bereits erwähnt, stehen neben der Funktionalität und dem Komfort zunehmend aber auch die Äußerlichkeiten im Vordergrund. Brillen gelten als Modeaccessoire, sodass zahlreiche Designer sich (ausschließlich) damit beschäftigen, verschiedene Formen, Farben, Muster & Co der Brillen zu entwickeln.


Die Brille als Modeaccessoire

Heutzutage gibt es viele verschiedene Arten von Brillen, welche, wie die Mode im Allgemeinen auch, aktuellen Trends unterliegen. Zudem besitzt beinahe jeder Mensch eine oder mehrere Sonnenbrillen, auch wenn er keine Sehhilfe benötigt. Daneben gibt es spezielle Lesebrillen oder auch Sportbrillen zu kaufen. Trotzdem könnte die Ära der Brillen eines Tages zum Ende kommen, denn auch alternative Sehhilfen gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Allen voran die Kontaktlinsen, welche sich seit dem späten 19. Jahrhundert entwickeln. Im Jahr 1948 wird schließlich die erste Kontaktlinse aus PMMA von Kevin Tuohy zum Patent angemeldet. Gute zehn Jahre später entstehen die ersten weichen Kontaktlinsen und seit 1975 werden Kontaktlinsen serienmäßig produziert. Hat die Brille als Modeaccessoire also in naher Zukunft ausgedient?


Im Modebereich ist die Brille heutzutage als Accesoires meist gar nicht mehr wegzudenken. Fotolia.com © Victoria Chudinova #205788247

Ein kurzer Ausblick in die Zukunft

Was in Zukunft kommen wird, kann heute natürlich niemand mit Sicherheit sagen. Vielleicht ist es eines Tages möglich, Sehfehler bereits im Mutterleib zu heilen oder durch Gentechnik präventiv zu verhindern. Doch abseits solcher Zukunftsmusik stehen gemäß der aktuellen Entwicklungen folgende Vermutungen im Raum: Die Brille wird vor allem aufgrund ihrer Bedeutung als Modeaccessoire sowie zumindest als Sonnenbrille noch lange Zeit bleiben. Zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten dürften jedoch zunehmend Alternativen wie Kontaktlinsen oder Operationen an Bedeutung gewinnen. Immer mehr Betroffene wünschen sich Unabhängigkeit von dem Gestell auf dem Nasenrücken und die Lasertechnologie entwickelt sich nicht nur in rasantem Tempo weiter, sondern wird in diesem Zuge auch immer erschwinglicher.

Zudem schreitet die wissenschaftliche Forschung voran und wartet immer wieder mit alternativen Konzepten wie einem gezielten Augentraining zur Verbesserung einer Fehlsichtigkeit auf. Ob ein solches Training aber tatsächlich positive Effekte bringt, ist bislang nicht offiziell bestätigt. Es bleibt also spannend, wie die Entwicklung im Bereich der Behandlung von Fehlsichtigkeiten weitergeht sowie ob und wann die Brille als solche der Vergangenheit angehört.



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