Die alte Loiblstraße

LOST PLACES IN KÄRNTEN

LOST PLACES IN KÄRNTEN


Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s auf eine Straße, die nicht mehr befahren werden darf: auf den alten Weg über den Loiblpass. 

Ausgerechnet der wahrscheinlich schönste Kärntner Grenzübergang ist gleichzeitig einer der einsamsten, weil er nur mehr zu Fuß oder mit dem Mountainbike passiert werden kann. Autos um- und unterfahren den alten Loiblpass seit 1964 durch den Tunnel. Von der Bühne der Verkehrsdurchsagen verabschiedet hat sich die historische Straße im selben Jahr medienwirksam wie sich das für einen Profi gehört: mit einem großen Auftritt im britischen Kinofilm „Der gelbe Rolls Royce“.

In dem Episodenfilm geht es – wenig überraschend – um einen gelben Rolls Royce und die Menschen, die ihn gerade fahren. Auf der alten Loiblstraße ist das Weltstar Ingrid Bergmann. Die schwedische Oscar-Preisträgerin verkörpert eine reiche amerikanische Witwe, die einen jugoslawischen Partisanen, der von Omar Sharif gespielt wird, im Kofferraum des Autos in dessen Heimatland schmuggelt. Bei der Grenzkontrolle droht alles aufzufliegen, im Endeffekt geht dann aber doch alles irgendwie gut aus. Die weitere Handlung des Films (und da zitieren wir jetzt Klaus Pertl, den Leiter des Klagenfurter Kinomuseums): Schwere Kost.



Zu ihren Kulissen-Ehren ist die alte Loiblstraße damals wegen des beeindruckenden Bergpanoramas und der Obelisken gekommen. Die monumentalen Grenzsteine auf der Passhöhe in 1369 m Seehöhe wurden 1728 von den Krainer Landständen als Erinnerung an die Durchreise von Kaiser Karl VI. errichtet. Auf der Kärntner Seite führt der Weg an einer ebenso schönen wie spannenden Ruine vorbeiführt: Alt St. Leonhard. Unmittelbar neben der Straße befand sich hier schon um 1200 eine Kirche. Sie wurde vom Zisterzienserstift Viktring um ein Hospiz erweitert, in dem Reisende Schutz suchen konnten. Von der Anlage sind noch einige Grundmauern und sogar ein eingestürztes Gewölbe zu sehen. Das Hospiz bestand bis ins 18. Jahrhundert.

Dass „Reisende“ in dieser Gegend mittlerweile Selbstversorger sind, beweisen einige leere Bierdosen. Dem Rost nach könnten sie Ingrid Bergman und Omar Sharif 1964 aus dem gelben Rolls Royce geworfen haben.



Die alte Loiblstraße kann man sowohl von Kärnten als auch von Slowenien hinaufmarschieren, auf slowenischer Seite gibt es gleich nach dem Tunnel links aber mehr Parkplätze. Die Wanderung auf die Passhöhe und zurück dauert in beiden Fällen zirka drei Stunden. Im Winter wird die alte Straße auf slowenischer Seite als Rodelbahn genutzt.

Die Hütte „Haus der Begegnung“  ist ganzjährig von Mittwoch bis Sonntag und auch an Feiertagen geöffnet.

Die Abzweigung zu den Ruinen von Alt St. Leonhard befindet sich im unteren der Drittel der alten Loibl-Straße auf Kärntner Seite und ist beschildert.



Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren  und in den Büchern der beiden:

Vergessen & verdrängt – Dark Places im Alpen-Adria-Raum 

Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum 

Verfallen & vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria-Region

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