Das Puxerloch

LOST PLACES

Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s ins Puxerloch. 

Es sind nur ein paar Kilometer über die Kärntner Grenze in die Steiermark – und schon blickt man auf zum Puxerloch in der Gemeinde Teufenbach-Katsch im Bezirk Murau. Der Fußmarsch, der dann folgt, ist herausfordernd, aber er lohnt sich. Das riesige Fenster in der Südwand des Berges Pleschaitz, der hier fast senkrecht ins Murtal abfällt, beherbergt die letzten Reste der einzigen österreichischen Höhlenburg. Sie bestand aus zwei getrennten, aber durch eine nicht mehr vorhandene Brücke verbundenen Anlagen: der Höhlenburg Luegg im eigentlichen Puxerloch und der Höhlenburg Schallaun 50 Meter weiter westlich. Beide wurden im 12. Jahrhundert erbaut und dienten der Kontrolle des Handelsweges durch das Murtal.

Hochadelige wohnten in den Höhlenburgen nie. Es lohnte sich nicht. Der Zugang war zu steil und mühsam, um am Ende in einem zwar gut gesicherten, aber gar nicht fürstlichen Gemäuer 100 Meter über dem Talboden zu hausen. Als Befestigungsanlagen hatten sowohl Luegg als auch Schallaun im 16. Jahrhundert ausgedient, man ließ die Burgen verfallen. Sie gerieten in Vergessenheit, bis das Puxerloch im 18. und 19. Jahrhundert von Räuberbanden wiederentdeckt wurde. Die finsteren Gesellen nutzten die Mauern in der Höhle als Stützpunkt für Überfälle und legten damit den Grundstein für diverse dornige Raubritter-Legenden. Schließlich bereiteten die Behörden dem Spuk ein Ende und vertrieben die Banditen durch die Zerstörung der bis dahin noch relativ gut erhaltenen Gebäude.



Übrig blieben beeindruckende Ruinen, die – vor allem im Fall von Luegg – von der gewaltigen Dimension der Anlage zeugen. Wie bei Höhlenburgen üblich setzte sich die Befestigungsanlage im Inneren der Felswand fort. In unterschiedlichen Höhen zweigen Gänge ab, der spektakulärste zum Glück ebenerdig. Er ist an einigen Stellen von Menschenhand erweitert beziehungsweise eingeebnet worden, auch Stufen wurden aus dem Gestein gehauen. Der Grund für den Aufwand erschließt sich nach etwas mehr als 100 Metern. Dort sprudelt eine Quelle aus dem Felsen. Eine autonome Wasserversorgung war für belagerte Burgen im Mittelalter kriegsentscheidend. 

Das Puxerloch ist nicht zu übersehen, wenn man auf der Murtal-Straße B96 von Scheifling nach Murau fährt. Die Wand mit der Höhle taucht kurz nach dem Ort Teufenbach jenseits der Mur auf. Wer nicht nur schauen, sondern auch wandern will, muss schon vorher aufpassen. Zum Ausgangspunkt des Steiges gelangt man, wenn man am Nordufer des Flusses kurz vor der B96-Brücke über die Mur in den Römerweg abbiegt (er heißt übrigens so, weil er tatsächlich dem Verlauf einer antiken Straßenverbindung folgt). Nach einem knappen Kilometer taucht links ein kleiner Parkplatz auf und rechts markiert ein Wegweiser aus Holz den Beginn des Wanderweges zum Puxerloch und zur Ruine von Burg Luegg. Der Aufstieg dauert rund 30 Minuten, ist steil und verlangt Trittsicherheit. Taschenlampe und Helm nicht vergessen! 

Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren <https://www.facebook.com/geheimnisvolle.unterwelt> und in den Büchern der beiden:

Vergessen & verdrängt – Dark Places im Alpen-Adria-Raum <https://www.styriabooks.at/vergessen-verdraengt>

Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum <https://www.styriabooks.at/vergessene-paradiese>

Verfallen & vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria-Region <https://www.styriabooks.at/verfallen-vergessen>

Lost Places in der Steiermark <https://www.styriabooks.at/lost-places-in-der-steiermark>

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