Das Hotel Haludovo

LOST PLACES

Außergewöhnliche Ausflugstipps und Entdeckungsreisen mit den Buchautoren Georg Lux und Helmuth Weichselbraun. Diesmal geht’s zu Europas berühmtesten Lost Place: in das Hotel Haludovo auf der kroatischen Insel Krk. 

Kein Weg führt an den Scherben auf dem Fliesenboden vorbei, jeder Schritt knirscht und kratzt. Die unangenehme Geräuschkulisse ist eine Warnung in Endlosschleife an den, der sie verursacht: „Du hast hier nichts verloren!“ Und doch pilgern Jahr für Jahr hunderte, wenn nicht sogar tausende Touristen durch diese Hallen mit dem besonderen Charme: Das seit 2002 dem Verfall preisgegeben Hotel Haludovo auf der kroatischen Insel Krk gilt als Europas bekanntester Lost Place.

Der Star unter den Ruinen steht in einer abgeschiedenen Bucht außerhalb des Urlaubsortes Malinska. Die ebenso malerische wie einsame Lage ist kein Zufall. Das Hotel wurde 1972 für Gäste eröffnet, die unter sich sein wollten. 45 Millionen Dollar hatte Bob Guccione, der Gründer und Herausgeber des US-Männermagazins Penthouse, in die Errichtung investiert. Der „Penthouse Adriatic Club“, wie die Anlage zunächst hieß, hatte mehr als 500 Zimmer beziehungsweise Appartements und bot seines Gästen zusätzlich zum Strand vor der Tür allerlei weitere Annehmlichkeiten: Wellnessbereich, Indoor- und Outdoorpools, Disco, Bowlingbahn, Minigolf-Anlage, Tennisplätze sowie diverse Bars innen und außen.



Herzstück des Hauses war ein Casino mit 70 ausschließlich weiblichen Croupiers und Hostessen aus den USA. Das Konzept ging in den ersten Monaten nach der Eröffnung voll auf. Überwiegend männliche Gäste aus aller Welt feierten im Penthouse-Club rauschende Feste. Wenn es besonders wild zuging, wurden pro Tag bis zu 100 Kilo Hummer, fünf Kilo Kaviar und hunderte Flaschen Champagner und Whiskey vernichtet. Das spülte ordentlich Devisen in die Kassen des sozialistischen Staates Jugoslawien, der Guccione den Schauplatz der dekadenten Orgien in Interviews vorsichtshalber als Beitrag zum Weltfrieden preisen ließ.

Hinter den Kulissen des „Penthouse Adriatic Club“ hielt sich der Frieden allerdings in Grenzen. Schon zu Beginn des Jahres 1973 – nicht einmal ein Jahr nach der Eröffnung – zog sich Guccione im Streit aus dem Projekt zurück. Das Ruder übernahm ein arbeiterverwalteter jugoslawischer Staatsbetrieb. Aus dem „Penthouse Adriatic Club“ wurde das gut gebuchte Luxushotel Haludovo, das auch Staatsgäste beherbergte. Der irakische Diktator Saddam Hussein nutzte die Größe der Anlage, um bei einem Staatsbesuch gleich mit sage und schreibe 250 Begleitern im Haludovo einzuchecken. „Angeblich soll man für ihn einen ganzen Pool mit Champagner gefüllt haben.



Das Geschäft lief bis zum Ausbruch des kroatischen Freiheitskampfes 1991. Die Zwangspause, in der das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft diente, war dann der Anfang vom Ende der Urlaubsdestination für die Reichen und Schönen. Zwar wurde der Betrieb nach dem Ende des Krieges 1995 privatisiert und neu eröffnet, doch alle Versuche, an den Glanz von einst anzuschließen, scheiterten. Die Eigentümer wechselten rasch, Geld für die dringend notwendige Modernisierung der Anlage nahm keiner von ihnen in die Hand. Im Dezember 2001 checkten die letzten Gäste aus, 2002 folgte im Rahmen eines Abverkaufs ein Großteil des Inventars. Bis auf diverse nie verwirklichte Pläne, die von einer Renovierung bis zum Abriss reichten, ist es seither ruhig um das Haludovo. Offiziell zumindest.

Im Hotel selbst gehen nach wie vor Gäste ein und aus. Die „Betreten verboten“-Schilder und Absperrung sind vom Andrang längst überrannt worden. 

Mehr Lost Places findet ihr auf der Facebookseite der Autoren <https://www.facebook.com/geheimnisvolle.unterwelt> und in den Büchern der beiden:

Lost Places in der Steiermark <https://www.styriabooks.at/lost-places-in-der-steiermark>

Vergessen & verdrängt – Dark Places im Alpen-Adria-Raum 

<https://www.styriabooks.at/vergessen-verdraengt>

Vergessene Paradiese – Entdeckungen, Ausflüge, Abenteuer im Alpen-Adria-Raum <https://www.styriabooks.at/vergessene-paradiese>

Verfallen & vergessen – Lost Places in der Alpen-Adria-Region <https://www.styriabooks.at/verfallen-vergessen>

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