Corona und die Psyche

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Weniger Suizide im Lockdown

Wirtschaftskrise, Rekord-Arbeitslosigkeit, Unternehmen die um ihre Existenz kämpfen,... die Corona-Krise hat viele Probleme und Sorgen mit sich gebracht. Anders als erwartet, hat sich der Lockdown aber positiv auf die Psyche der Kärntner ausgewirkt. So hat sich die Zahl der Selbstmorde in Kärnten in den Monaten März und April sogar halbiert. 

Wir haben mit Prim. Dr. Christa Rados von der psychatrischen Abteilung im Landeskrankenhaus Villach über die psychischen Auswirkungen und Folgen der Corona-Krise gesprochen.


Jährlich nehmen sich in Kärnten durchschnittlich 110 Personen das Leben - österreichweit sind es  rund 1220. Damit ist Kärnten gemeinsam mit der Steiermark trauriger Spitzenreiter in dieser Liste. Wie hat sich die Corona-Krise auf diese Zahl ausgewirkt?

In Kärnten hat sich die Suizid-Rate in den Monaten März und April halbiert, das heißt, dass Menschen die vorher schon psychisch labil waren recht gut zurecht gekommen sind.

Welche Entwicklungen und Veränderungen haben Sie im Zuge der Corona-Krise beobachten können?

Interessant ist, dass vermeintlich "starke Menschen", die gute Bewältigung schlummernder psychischer Konflikte haben keine Möglichkeit gehabt sich abzulenken und so sind sie dann kalt erwischt worden.

So genannte "lablie" Personen sind dagegen viel besser zurechtgekommen als gedacht, weil sie viel öfter solche Stress-Situationen in ihrem Alltag bewältigen müssen und so Krisenerprobt sind.

Wir haben häufiger mit Menschen zu tun gehabt, die bisher gesund waren. Hier waren es Depressionen und schwere Angststörungen.

Was macht so eine Ausnahmesituation mit der Psyche?

Grundsätzlich war es für viele eine Stressituation - es gibt aber auch viele Menschen - psychisch kranke und gesunde, die die Zeit des Lockdowns als Innehalten und Entlastung wahrgenommen haben in der sie Zeit mit der Familie verbringen können.

Wenn eine bestimmte Schwelle aber überschritten wird, kann es zu psychischen und körperlichen Symptomen wie Panikattacken, Angstzuständen oder beschleunigtem Puls kommen.


Was waren die häufigsten Ängste?

Menschen mit psychiatrischen Vorerkrankungen haben die selben Ängste gehabt wie gesunde Menschen - dass sich Familienmitglieder oder sie sich anstecken könnten, aber auch vor wirtschaftlichen Folgen.

Welche Probleme haben Sie bei alten Menschen beobachtet?

Deren Ängste wurden ja mit Absicht geschürt und sie waren ja quasi aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das haben viele nicht gut vertragen - sie haben unter Einsamkeit und Isolation gelitten - außerdem hatten sie weniger Kontakt zu medizinischer Versorgung, wo sich im Nachhinein zeigt, dass Sie einige Behandlungen schon früher wahrnehmen hätten sollen.

Was sollte jemand tun, der auch jetzt noch Probleme verspürt?

Ich schlage einen Stufen-Plan vor. Was man auf jeden Fall tun sollte ist eine Form von Unterstützung einholen - zum Beispiel so wie wir das alle tun würden, das Problem einmal bei Verwandten oder Freunden anzusprechen. 

Falls das nicht ausreichend ist, ist professionelle Beratung sinnvoll. Dafür gibt es diverse Hotlines oder auch Beratungen bei Psychologen - nicht jeder braucht gleich eine Therapie. 

Wenn es tatsächlich Schlafstörungen, Panik-Attacken, extreme Stimmunsschwankungen, etc. gibt dann ist man krank und kranke Menschen gehören zum Arzt - am besten zu einem Facharzt für Psychiatrie oder zu einem Arzt der den Patienten oder die Familie gut kennt.

Kontakte bei denen du dich bei psychischen Problemen melden kannst:


Gesundheitsportal Österreich

Telefon-Seelsorge

Notfall-Psychologischer Dienst

Psychiatrischer Not- und Krisendienst (PNK) für Kärnten:

PNK Ost:

Tel.: 0664/3007007, täglich 0-24 Uhr;

PNK West (Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Landeskrankenhaus Villach): 

Tel.: 0664/3009003, täglich 0-24 Uhr

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