Album der Woche

GEORG EZRA - „Staying At Tamara‘s“

ALBUM DER WOCHE:

GEORG EZRA - „Staying At Tamara‘s“ 

Um den Entstehungsprozess des Albums in Gang zu bringen, macht George Ezra das, was er am besten kann: er schnappte sich seine Gitarre und machte sich vom Acker. Seine erste Anlaufstation war eine Stadt, die er recht gut kannte, in der er allerdings – paradoxerweise – gar nicht so bekannt ist: Barcelona. Dabei vermied er es, in vornehmen Hotels abzusteigen. Er wählte die „Airbnb”-Variante – und lebte dabei mit dem jeweiligen Gastgeber zusammen. Sie teilten sich die Wohnung. Ohne jeden persönlichen Extra-Komfort. „Es war buchstäblich ein Bett im Zimmer einer Wohnung, die einem Mädchen namens Tamara gehörte“, erinnert er sich. Im siebten Stock mit eingeschlagenen Fenstern im Treppenhaus. In einem Zimmer wohnte ein Mädchen aus Argentinien etwa in meinem Alter. In einem anderen ein älteres Paar aus Deutschland. Die Dusche war wacklig. Die Wohnungstür schloss nicht richtig. Es war ein ständiges Kommen und Gehen von Leuten“. Die Positivität und das Gemeinschaftsgefühl des eigentümlich Britpop-haften „Pretty Shining People“ („We’re alright together”) sind die Grundpfeiler für die Gesamtstimmung, die auf „Staying At Tamara’s“ herrscht. Die Songs entstanden in einem Jahr, das von Trump, Brexit, Food Banks (Tafeln) und allgemeinem Aufruhr geprägt war. Aufmerksam die Geschehnisse der chaotischen Welt um ihn herum beobachtend und inspiriert von allerlei Hör- und Lesestoff (u.a. sehr früher Bob Dylan und „So Long, See You Tomorrow“ des US-Autors William Maxwell), entschied sich Ezra genau das zu machen, was er am besten kann: Songs schreiben, die ermutigen, unterstützen und dem Hörer die Möglichkeit geben, den Alltag hinter sich zu lassen. Wie z.B. die Finger-schnippende, Bläser-tastische, Haare-im-Fahrtwind-Nummer „Get Away”, eine Art Schlachtruf in Zeiten großer Ängste. Oder „Shotgun“, ein unwiderstehlicher Song mit „Hit The Road, Jack“-Message und „Graceland“-Vibe, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. „Eigentlich versuche ich unentwegt, Paul Simons ‚Graceland‘ nachzueifern, sowohl beim ersten Album als auch bei diesem hier“, gibt Ezra gut gelaunt zu. Eine Mission, bei der ihm (bei beiden Alben) der Londoner Produzent Cam Blackwood (London Grammar, Florence And The Machine) zur Seite stand. Auch die Vorabsingle „Paradise“ handelt von „kindischem Eskapismus“, und auch das unbeschwert gutgelaunte „Don’t Matter Now“, mit dem George Ezra im vergangenen Sommer begann, seine Fans auf sein zweites Album einzustimmen, ist beseelt vom selben Geist.

Tags

Sponsoren